Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 505)
- Language
- German, English, Hebrew
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15. Sitzung: Erziehungsreferat einen Anfang gemacht und werden immer auf die Erhaltung des schon Erreichten und auf den Fortschritt bedacht sein müssen. Aber trotz alledem können wir ruhig behaupten, daß die auf diesem Gebiete erzielten Erfolge uns mit Zufriedenheit erfüllen können. Erez Esrael ist die Werkstätte des nationalen Genius geworden. Auch das ist Pionierarbeit und wir sehen schon die Früchte. Man muß ja zunächst innerlich, subjektiv national werden und erst dann kann man sich nach außen, objektiv national betätigen. Wie soll man es ohne Nationalsprache werden? Ein tiefes Eindringen in die Eigenart dieser Sprache, ein verständnisvolles Nachempfinden der seelischen Prozesse, die sich im Herzen unserer Vorfahren abgespielt haben, als sie sich dieser Sprache bedienten, das Sichversetzen in ihre Vorstellungswelt, sowie in die Oertlichkeiten, in denen sie wirkten und von denen sie in mannigfacher Weise beeinflußt wurde — das ist der einzige Schlüssel zu einer Renaissance des echten, antiken Israels. Jeder Tourist, der Erez Israel auch nur einen kurzen Besuch abstattet, kann sich selbst davon überzeugen, daß die hebräische Sprache in Erez Israel lebt! Das ist eine grundlegende Tatsache. Und wenn wir über diese Angelegenheit im Zusammenhang mit dem Budget sprechen, dann muß ich sagen, daß man den Wert der Wiederbelebung einer Sprache gar nicht abschätzen kann. Das ist für eine nüchterne kaufmännische Kalkulation ein Luxus. Dafür gibt es kaum ein Kriterium, d. h. einen Rechnungsmaßstab für die Bewertung der Wiederbelebung einer nationalen Sprache. Man kann irgendeine Kolonie, ein Dorf, eine Stadt abschätzen, aber diese Angelegenheit kann man nicht abschätzen, ebenso wie man nicht angeben kann, wieviel den Juden zur Zeit Esras die Wiedereinführung der hebräischen Sprache gekostet habe, und ob hierdurch nicht ein Defizit entstanden ist. Wenn es uns gelungen ist, die Anerkennung der Großmächte zu erlangen, dann geschah das zu einem großen Teil, ich behaupte dies aus eigener Beobachtung und Erfahrung, weil wir in der Lage waren zu erklären, daß wir eine Sprache haben. Und als 494