Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 492 (sequence 503)
- Language
- German, English, Hebrew
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15. Sitzung: Erziehungsreferat trotzdem ist die Geschichte unserer Machtsphäre entrückt, derart, daß wir willig in ihr das Wirken von Gesetzen ahnen, von Naturgesetzen, zu welchen vielleicht wir uns als Mittel verhalten. So ist uns die hebräische Sprache: sie ist uns Herrscherin und Dienerin zugleich. In ihr walten die Gesetze unserer Volksseele. Jedes Volk schafft sich seine Sprache, eine Sprache, die seinem Wesen entspricht und die ein treues Spiegelbild all seiner Empfindungen und Gefühle ist. Nur in seiner Sprache kann ein Volk als solches frei und selbständig schaffen. Solange sich ein Volk fremder Sprachen bedient, ahmt es nur die anderen nach, nimmt nur von ihnen, ist nur ein Empfänger und gibt dafür nichts. Bald hat es in seinen Nachahmungen Erfolg, bald nicht, aber nie schafft es Originelles und Ursprüngliches, nie erreicht es den Zweck eines wirklichen Eigenlebens. Glauben Sie nun, daß unsere Sprache, die jetzt neu belebt wird, daß es nur ein Zufall war, daß wir in Palästina zu dieser Sprache griffen? Nein! Sie entspricht der Erez Israelnatur, sie ist dort das natürliche Ausdrucksmittel, und wer ein feines Gehör hat, kann in dieser Sprache sicher die Stimme Erez Israels wahrnehmen und diese Musik im Blute empfinden, wie sie mit der ganzen Natur verwandt ist, mit der Sonne und der Erde, mit dem Rauschen des Meeres, mit dem Lispeln des Laubes, mit dem Wehen des Windes, die ganze Natur, die Natur des Landes. Einzig und allein in dieser Sprache können wir Originelles schaffen. Die nationale Sprache ist nationaler Geist, in einem sinnlichen Mittel, dem Laut, verkörpert und erst dadurch zu wirklichem Dasein gebracht. Wie alles Sinnliche vermag auch der Laut den Geist nur symbolisch darzustellen; auch meint die Sprache ja ihre Laute nicht an sich selbst, sondern das, was diese a nderes bedeuten, weshalb der Laut den Begriff nur anregt, nur reizt, ihn zu bilden, aber ihn nicht selbst darstellt. Aber die Sprache will den Geist geben, strengt sich dazu immer von neuem an, sucht dies durch die in ihrer Succession der Gedankenbewegung analoge Darstellung der Lautmomente zu erreichen, will treffend sein 492