Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 491 (sequence 502)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow jüdischen Welt sehen und den wir sogar auch in unserem zionistischen Kongreß beobachten können, daß es unmöglich ist, sich in e i n e r Sprache mit allen Genossen zu verständigen, wenn dieser Zustand auch im tagtäglichen Leben in Erez Israel sich fortsetzen sollte — bitte, stellen Sie sich einmal vor, in welcher Lage wir da wären! Wie könnten wir uns überhaupt vor unseren Brüdern in der Diaspora, vor allen Völkern zeigen, wenn wir nicht auf die Tatsache der Wiederbelebung der hebräischen Sprache hinweisen könnten? Viele unter uns setzen sich über diese Frage mit mitleidiger und verständnisloser Geringschätzung hinweg. Sie glauben, daß letztere Wiederbelebung nur eine Nebensache sei, man schreibt es dem Zufall zu, wenn das eine Volk in dieser und das andere in jener Sprache spricht. Aber man muß doch diese Angelegenheit viel ernster betrachten und begreifen, daß es kein Spiel des Zufalls ist, sondern daß es sich um die schöpferische Kraft und die originelle Leistungsfähigkeit des betreffenden Volkes handelt. Sprache ist so sehr eine dem Menschen wesentliche Lebenstätigkeit, daß er ohne sie nicht zu denken ist. Die nationale Sprache ist das Eigentum des Volkes. Nun ist die Sprache aber nicht so unser Eigentum wie etwa unsere Glieder, welche mit uns da sind und von selbst wachsen, eher so, wie die Luft, welche wir atmen. Diese nehmen wir auf mit unseren Organen, verändern sie, indem wir sie gebrauchen und immer neu machen wir sie zu unserem Besitz. Oder vergleichen wir mit dem Rechte, welches wir auf unsere hebräische Sprache beanspruchen, das Recht, mit welchem wir jene Summe von Vorgängen und Taten, welche wir jüdische Geschichte nennen, als unser Eigentum bezeichnen können. Zweifellos ist diese ein Produkt unserer Kräfte, wrie sie sich an der Welt entfalten, sie wird stets neu von uns erschaffen, sie erhält sich als ein ideelles Besitztum, gleichsam als ein theoretischer Niederschlag der Prozesse, welche die Bemühungen der Einzelnen herbeiführten, in dem Gedächtnis und nicht minder auch praktisch in der fortlaufenden Arbeit der Geschlechter. Aber 491