Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 490 (sequence 501)
- Language
- German, English, Hebrew
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15. Sitzung: Erziehungsreferat kannt, welches kräftiger sich bewiese als die Sprache der Nation. Die enge Verbindung zwischen Vernunft und Sprache erkennt ein jeder. So entsteht eine Vernunftwelt, worin Zeichen und Worte die Stelle der Substanzen und Kräfte vertreten. Wir eignen uns das Universum zu, indem wir eine Bild-, Ideen-, und Wort-Welt erschaffen. Was ein Volk auf diese Weise erschafft, versteht es, soweit es seine Schöpfung ist, vollkommener als das, was es den anderen entlehnt. Nur so entsteht eine Lebens- und Weltanschauung in Harmonie mit der Natur des Volkes, nicht engherzig-nationalistich — eine Richtung, die wir verabscheuen, — sondern menschlich mit einer eigenen Nuance. Das ist es, was wir in Erez Israel erzeugen müssen. Bringen wir nach Erez Israel den geistigen Galuth mit, so wäre von hier nur ein Schritt zum System der Assimilation, das uns überall verfolgt. Es wäre offenbar ein Unsinn, nach Erez Israel zu gehen, um dort eine neue Assimilation zu beginnen. Es hat uns die Gefahr gedroht, daß wir in Palästina irgend ein halbes oder ein Viertelvolk sein werden, ein Volk, das keine Sprache hat. Meine Herren, es sind das keine graue Theorien. Jeder Kenner unserer Geschichte weiß, welche Probleme hauptsächlich unsere Vorfahren zur Zeit der Rückkehr aus dem babylonischen Exil beschäftigten. Sie haben sich nicht mit jenen auf den Einzelmoment beschränkten Fragen abgegeben, über die wir uns heute den Kopf zerbrechen. Sicherlich mußten auch sie Zeitprobleme behandeln. Wir wissen ja, daß sie nicht nur von außen Verfolgungen zu befürchten hatten, sondern in Palästina selbst von zahlreichen Feinden bekämpft wurden und sich gegen sie wehren mußten. Aber welchem Problem haben sie ihre größte Aufmerksamkeit geschenkt? Das Problem, um dessen Lösung sie sich am meisten bemühten, war die Sprachenfrage, die sehr wichtige Frage, daß sie zum Teil hebräisch und zum Teil „aschdodisch" sprachen, daß ihre Sprache nicht vollkommen war. Die Sprache ist der wichtigste Besitz eines Volkes, nicht nur der größte Besitz; denn solange der Zustand anhalten wird, den wir in der 490