Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 500)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow Bedeutung die Erziehung in Erez Israel für unsere Politik, für unsere nationale Bewegung und für unsere ganze Zukunft im Lande hat. Man betrachtet das Problem nicht unter dem richtigen Gesichtspunkte, man behandelt es schablonenhaft und schematisch, als ob es sich um ein normales Volk und ein normales Land handeln würde. Wenn bei uns die Erziehungsfrage so einfach wäre wie in allen anderen Ländern, dann würden wir uns nicht so sehr darüber beklagen, daß die Eltern kein Unterrichtsgeid zahlen können und nicht alle in der Lage sind, ihre Kinder in die Schule zu schicken; es würden also nicht alle Kinder die nötige Erziehung bekommen und es wäre nichts Schreckliches dabei. Es wäre das keine nationale Frage, die die Nation zu beschäftigen und für die die Nation Opfer zu bringen hätte. Dieses Problem ist aber ein nationales Problem, und zwar beschränkt es sich nicht auf die Frage der Erziehung allein, sondern es hängt mit unserer wirklichen und ganzen Renaissance zusammen. Wir müssen uns darüber klar sein, daß es ohne Wiederbelebung der alten nationalen Sprache keine nationale Wiedergeburt geben kann. Und deshalb, geehrter Kongreß, spreche ich zu Ihnen nicht über Literatur und über Erziehung, nach der Art derjenigen, die, wenn sie über Politik sprechen, das Problem so darstellen, als ob alles hauptsächlich von auswärtigen Faktoren abhängig wäre. Die Erreichung unseres Zieles hängt nach meiner tiefen Ueberzeugung hauptsächlich von uns selbst ab. Ohne Sprache wären wir in Palästina kein Volk, ich meine, kein lebendiges und erkennendes Volk. Das Prinzip aller Erkenntnis ist lebendiges Dasein; und alles lebendige Dasein geht aus sich selbst hervor, ist progressiv und produktiv. Je mannigfaltiger das empfundene Dasein ist, welches ein Volkswesen auf diese Art erzeugt, desto lebendiger ist ein solches Wesen. Soll aber das in dem gegenwärtigen Augenblicke erzeugte Volksleben in dem folgenden nicht wieder untergehen, so muß das schaffende Kollektivwesen auch erhalten werden. Unter den Erhaltungsmitteln des nationalen Lebens ist uns keines be- 489