Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 452)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ruppin nicht ebensogut für den Aufbau eines Landes gelten sollen. Aber das ist nicht der Fall, meine Herren, das ist nicht der Fall. Wenn der Jude in Europa in seinem Geschäfte Profit erzielt, das heißt für sich einen individuellen Profit erzielt, so kann er sich sagen, das ist auch eine Vermehrung des jüdischen Vermögens. Bei dem geschlossenen Wirtschaftskreis in Palästina ist es nicht genug, daß er für sich selbst einen Profit erzielt, sondern erst dann kann von einem nationalen Gewinn gesprochen werden, wenn durch seine Arbeit das nationale Vermögen gemehrt wird. Das geschieht nicht dadurch, daß auf dem Weg der Spekulation etwas verdient wird, es geschieht nur dadurch, daß der Kreis der Güter, der allen Juden zur Verfügung steht, vergrößert wird. Meine Herren, das ist eine Binsenwahrheit, aber nur wenn wir uns sie nicht immer vor Augen halten zur Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung, können wir sie beiseiteschieben und behaupten, daß jeder, der in Europa existieren kann, auch in Palästina wertvoll ist. Man hat hier gesagt, wir wollten in Palästina ein soziales Ideal aufbauen. Ich für mein Teil leugne nicht, daß ich das Bestreben habe, in Palästina sozial bessere Lebensformen zu pflegen als die Formen, in denen Sie in Europa leben. Und hier, meine Herren, liegt doch die Wurzel unserer Kraft, daß wir hoffen, in Palästina etwas Schöneres, Reineres aufzubauen als in Europa. Aber ich bin weit davon entfernt, eine soziale Utopie oder was nicht in der Macht eines Menschen steht, von heut auf morgen verwirklichen zu wollen. Wir wollen nicht Europa nachahmen. Aber ich verstehe, daß eine Entwicklung nicht von heut auf morgen, sondern nur allmählich kommen kann; der Fortschritt kann nur dadurch kommen, daß er von der Mehrheit der Bevölkerung gewollt und getragen wird. Ich werde Ihnen ein Beispiel zeigen, daß in Palästina die Dinge nicht einfach nach Utopien gehen. Wir haben jetzt seit Beginn des Jahres in Palästina eine Kommission, in der Arbeitgeber und Arbeiter sich gemeinasm 441