Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 422 (sequence 433)
- Language
- German, English, Hebrew
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11. Sitzung: Palästinadebatle ten?Icli fürchte, der Grund des Streites liegt nur in einer gewissen Nervosität. Nachdem uns die Arbeiter ehrlich und aufrichtig erklärt hatten, daß sie die neue Einwanderung willkommen heißen, hat man Worte hineingeschleudert, Worte, die niemand mehr bedauert als ich. Ich denke, diejenigen Freunde unter uns, die diese Worte gesprochen haben, hatten keine böse Absicht dabei, sie wollten nicht einen Teil der Judenschaft beleidigen, aber es sind doch Zweideutigkeiten. Und man braucht doch keine Zweideutigkeiten in einen zionistischen Kongreß hineinzubringen. Ich will sie nicht gehört haben, diese Worte, die nicht verdienen, in einem zionistischen Kongreß gehört zu werden. Man könnte zu diesen Worten noch Whitechapel und andere jüdische Städte hinzufügen, von denen manche von uns gekommen sind. Welchen Sinn hätte das? Wenn wir diese Worte gebrauchen, einer gegen den anderen, so kann das nur schaden. Da ist eine konkrete Frage. Wir wollen in Palästina keine „Luftmenschen41 haben. Auch ein Wort, das einmal auf einem Zionistenkongreß geprägt worden ist. Und wer will denn Luftmensch sein in Palästina? Und ebenso spricht man von einem Klassenkampf und Klassen. Es ist bei den Juden nicht so wie bei den anderen. Diese Klassen sind unter den Juden nicht so geschieden wie unter den anderen. Die Grenzen zwischen den Klassen sind sehr fließend. Ich weiß wirklich nicht, wenn ich vor einigen Monaten gefragt worden wäre, in welche Klasse der Jablonner Rebbe mit seinen Anhängern gehört, so wäre ich vielleicht geneigt gewesen — wenn man mich so mit dem Strick der Statistik gewürgt hätte — ihn in die Schublade der Bourgeoisie zu legen. Und nun sind ein paar Monate vergangen, und wir finden ihn in einer ganz anderen Klasse. Wir sind ein Wandervolk, wir wandern nicht nur von Land zu Land, sondern wir wandern auch von Klasse zu Klasse. (Beifall.) Wir müssen uns fragen, wohin der Kongreß zeigt, was die Richtung ist. Wir müssen dafür sorgen, daß die Leute verstehen, daß wir diese unnatürliche, diese verkrüppelte ökonomische Struktur nicht wollen; die kann 422