Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 422)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wilkansky Sumpf versinkt, erscheint das Pferd noch als der Retter, der ihn herausschleppt. In Palästina fällt die jährliche Regenmenge von 500 bis 600 mm im Laufe von 50 Tagen, die sich von November bis Mai verteilen. Der Boden ist naß und schmiert und man kann mit dem Traktor in dieser Bestellungszeit nicht passieren, wenn er nicht die Funktion einer Walze übernehmen und den Boden zusammendrücken und jahrelang kaputt machen soll. Dazu kommt, daß der Bauer den Boden nicht nur pflügt, sondern er muß auch Dünger fahren; er bestellt nicht nur, sondern er muß auch mähen und einfahren. Herr Soskin hat sich über die Plankommission lustig gemacht, die nichts von der Existenz eines Traktors gewußt habe. Man kann ein ausgezeichneter Landwirt sein, ohne einen Traktor zu berühren; es ist aber unmöglich, sich in Palästina als „landwirtschaftlicher Einstein41 zu behaupten, ohne zu wissen, daß im Winter auf schwerem Boden ein Traktor nicht verwendbar ist. Als ich die großen Siedlungen in Kanada besuchte, wurde mir von den großen Autoritäten gesagt, daß der beste Traktor für Farmer noch immer das Maultier sei. Meine persönlichen Anschauungen weichen insofern von denen der Kommission ab, als ich für eine „Verkürzung der Front" eintrete. Man soll alle Mittel auf Bodenerwerb konzentrieren; der Boden soll im Uebergangsstadium extensiv bewirtschaftet werden. Die Ameliorierung des Bodens soll weitgehend sein, nicht nur eine „mechanische" wie Entsumpfung, sondern auch eine „organische"; die Erträge sollen nämlich durch gewisse Bodenbearbeitungsmethoden auf 150 kg Weizen pro Dunam heraufgebracht werden, bevor man permanent ansiedelt. Lieber sollte man eine vollblütige und voll ausgerüstete Siedlung aufbauen als unzählige blutarme. Man soll keine speziellen Milchwirtschaften, Gemüse- und Hühnerzuchtfarmen errichten, sondern es dahin bringen, daß die existierenden Siedlungen ihren Haus¬ und Wirtschaftsbedarf decken und den Ueberschuß verkaufen. Dann werden sie auf dem inneren Markt konkurrenzfähig sein, weil z. B. 25 Hühner von den Abfällen der Viehhaltung und des Düngerplatzes leben können und ihre Bruttoeinnahme daher Reinverdienst ist. Das ist die Erklärung für die sogenannten „falschen Tabellen", die mir Soskin hier mit Jubel entgegengehalten hat. Hier gilt die gleiche Antwort wie die auf die „motorische Offenbarung" in Form des Traktors. Ein guter Landwirt kann schon einmal einen Rechenfehler machen. Aber kein Mensch kann den Anspruch erheben, etwas von Landwirtschaft zu verstehen, wenn ihm die Elementarkenntnis davon abgeht, daß von dem beim Fressen des Viehs aus der Krippe herausgeschüttelten Futter, von Futterresten, die auf den Düngerhaufen kommen; vom Drusch- und Gemüseabfall usw. je nach der Flächengröße und der Größe der Viehhaltung eine Hühnerzahl von 25 bis 50 Stück kostenlos gehalten werden kann, ohne daß man dafür eine extra Fläche einräumt. — Wenn man aber die Zahl vergrößert, so entstehen extra Ausgaben, die sich nicht mehr decken. Ebenso ist es 411