Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 421)
- Language
- German, English, Hebrew
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IL Sitzung: Palästinadebatte weil uns erstens die Geduld fehlt, 12 Jahre zu warten, bis er Früchte trägt; und wenn sie kommen, fehlt uns die Geduld, sie abzupflücken. Die bisherigen Varietäten gehören dem Typus der Kulturen an, welche den Besitzer fressen anstatt umgekehrt. Feigen und Reben müssen noch ein langes Versuchsstadium durchmachen, bevor ihr Anbau technisch durchgebildet ist und sie mit andern Ländern konkurrieren können, denn sie gehören nicht zu den speziellen Monopolprodukten des Landes wie die Orange. Das sind die charakteristischen Merkmale der natürlichen landwirtschaftlichen Zonen Palästinas in groben Zügen. Diese und keine anderen stehen uns für kolonisatorische Zwecke zur Verfügung. Kolonisation setzt stets gegebene Grundlagen voraus und kann sich nicht auf spekulativen Relativismus stützen. Relativismus wird sogar nicht so leicht akzeptiert in den abstrakten Lehren, welche die Himmelsregionen streifen. Landwirtschaftlicher Relativismus ist sicher nicht zu gebrauchen, denn die Landwirtschaft stützt sich auf Empirik, und uns fehlt noch sogar die moderne Empirik für Weizenbau, für Futterbau und für eine ganze Menge Kulturen, die im Lande heimisch sind und sichern Absatz haben. Wir müssen uns in dieser Kolonisation auf die deutsche Wirtschaft, auf die Orangenwirtschaft und auf andere Pflanzungen stützen, die im Lande gelungen sind, auf „Monopolprodukte'1, die von der Natur des Landes und von unserer eigenen Natur begünstigt sind und die sich im Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt behaupten können. Unsere Stärke liegt bei den Kulturen, die viel Gehirn und wenig Schweiß verlangen. Das sind die Kulturen, die ich als „jewish proof" bezeichne. Wie die Verhältnisse jetzt liegen, wo wir den Weltmarkt uns nur für beschränkte Kulturen zugänglich gemacht haben, müssen wir solche Kulturen begünstigen, welche uns im Uebergangsstadium vom Weltmarkt unabhängig machen und uns gegen die Konkurrenz von fremden Eindringlingen in unseren heimischen Markt schützen. Das Prinzip der Selbstversorgung ist für uns eine Naturnotwendigkeit, die von Boden- und von Marktverhältnissen diktiert wird, und nicht aus sozialpolitischen Gründen, weil wir uns Autarkien aufbauen wollen. Dieser schwere Boden, auf dem wir kolonisieren, bringt sicher nur Körner und Futter hervor, die naturgemäß vor allen Dingen für den Hausbedarf bestimmt sind und deren Ueberschuß in Form von Weizen, Eiern, Milch und Gemüse als „cash crop" verkauft wird. Frische Eier und frische Milch können immer die Konkurrenz von eindringenden Konserven aushalten. Wenn aber der Anbau von Weizen und Futter eine vom Boden bestimmte Naturnotwendigkeit darstellt, ergibt sich auch der Anbau von Gerste als Futter für das Arbeitsvieh als die gleiche Naturnotwendigkeit; denn der von Herrn Soskin empfohlene Traktor kann nicht das von ihm „ironisierte Pferd" ersetzen. Wo ein Traktor im 410