Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 420)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wilkansky ebenso wie „Tomatenkolonisatoren" aufgetaucht. Auf die ersteren kann man aber nicht einmal die hebräische Metapher anwenden: „Mit Rauch haben sie sich verflüchtigt", denn dieser Tabak hat aus Mangel an Brennfähigkeit nicht geraucht. In Makedonien, das ich jetzt eben besucht habe, wird Tabak auch nicht überall, sondern nur auf bestimmten Böden, nämlich an Abhängen gebaut. Bis jetzt ist die einzige Gegend in Palästina, die guten Tabak produziert, Rosch- Pinah, sei es auf Grund klimatischer Bedingungen, sei es auf Grund der Bodenbeschaffenheit. Alle anderen Gegenden haben bis jetzt nur die Größe von Kohlblättern erreicht, nicht aber die Qualität von Tabakblättern. Tabak hat sicher eine Zukunft. Auf der Zukunft kann sich aber nur die zukünftige Kolonisation aufbauen, nicht die gegenwärtige. Diese setzt Sicherheit der Erträge und Sicherheit des Marktes voraus. Das sind summa summarum die wenigen Zonen, die für intensive Kulturen in Betracht kommen, wenn sie ihr Versuchsstadium durchgemacht haben. Die anderen großen Flächen wie der Negew, die Schefelah, der größte Teil von Schomron, das Emek, Unter- und Obergaliläa kommen überhaupt nur für den Typus der gemischten Wirtschaft, wie ihn die Plankommission ausgearbeitet hat, in Betracht. Alle diese Flächen betragen, wie gesagt, mehr als 80 Prozent des für Kolonisation in Frage kommenden Bodens. Der Negew (eine Fläche von zirka 5 Millionen Dunam) kommt vorläufig, trotz seiner guten Bodenbeschaffenheit, nur für Gerste und Weizen in Betracht, weil er unbewässerbar ist und 200 bis 250 mm jährliche Regenmenge hat. Alle andern erwähnten Bodenkomplexe bestehen aus schwerem Boden, 30 bis 40 Prozent Ton enthaltend; der Grundwasserspiegel liegt 60, 80 bis 200 Meter tief, der Boden ist erschöpft, so daß er 60 kg Weizen pro Dunam hervorbringt. (Weizen ist hier als „Energiemesser14 der Bodenergiebigkeit zu betrachten, denn wo kein Weizen wächst, wächst nicht nur kein Gemüse, sondern auch kein Viehfutter.) Die Kolonie Wilhelma düngt kleine Gemüseparzellen für den Hausgarten seit mehr als 20 Jahren jahraus jahrein mit 10 cbm organischem Dünger pro Dunam und führt auch Sand auf. In Ben- Shemen taten wir dasselbe auf einer Fläche von 30 Dunam seit 16 Jahren und der Boden hat noch lange nicht den Kulturzustand erreicht, in dem sich die uralten Gemüseparzellen neben den arabischen Dörfern befinden. Von Bewässerung ist auf den meisten oben bezeichneten Flächen keine Rede, da das Wasser knapp für Trinkzwecke ausreicht. Wintergemüse haben Saison nur bis Mai, sie sind gut für den Hausbedarf; aber nicht konkurrenzfähig auf dem Markt. Die Pflanzungskulturen, die auf diesem schweren Boden überhaupt gedeihen, beschränken sich auf Oliven, Tafeltrauben und Feigen. Auch diese sind nicht imstande, mit den gleichen auf leichtem Boden gewachsenen Früchten zu wetteifern. Heimisch und ökonomisch gesichert ist nur der Oelbaum, er ist aber nicht „jewish proof", 409