Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 418)
- Language
- German, English, Hebrew
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Usiel, Wilkansky Delegierter Dr. Waldmann: Ich bitte festzustellen, ob zwei Drittel für Schluß der Debatte sind. Vorsitzender Vizepräsident Motzkin (nach nochmaliger Abstimmung und Auszählung): Es ist mit 77 gegen 29 Stimmen beschlossen worden, die Debatte zu schließen. Jetzt haben noch die Referenten und Herr Wilkansky das Wort. Das Präsidium schlägt Ihnen vor, heute die Debatte überhaupt zu schließen, auch mit den Referenten, damit wir rechtzeitig fertig werden, und will von Ihnen eine entsprechende Entschließung haben, ob Sie dafür sind. Wer also dafür ist, daß diese Debatte um sieben Uhr geschlossen werden soll, den bitte ich die Hand zu heben. (Die Abstimmung wird vorgenommen.) Der Antrag ist angenommen. Es ergibt sich daraus, daß für jeden Referenten, mit Ausnahme Herrn Sokolows, etwa zwanzig Minuten vorhanden sind. Mitglied des A.-C. Hermann Struck (hebräisch): Der Permanenzausschuß tritt jetzt sofort zu einer Sitzung zusammen. Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Das Wort hat Herr Wilkansky. Delegierter Agronom Jizchak Wilkansky (von lebhaftem Beifall begrüßt): Ich habe die Ehre, hier die Plankommission der Kolonisationsabteilung zu vertreten und ihren Standpunkt zu verteidigen. Die Kommission ist zur Hälfte aus „reinrassigen14 Bürgern zusammengesetzt. Die von Soskin angefochtenen Pläne wurden in der Kommission einstimmig angenommen. Ich spreche also nicht im Namen einer Partei und vertrete auch nicht meine persönlichen Anschauungen, die ganz und gar von den gebahnten Wegen der Kolonisation abweichen. Man darf den Kampf zwischen Getreide- und Milchwirtschaft einerseits gegen Gemüse auf der anderen Seite nicht als „Klassenkampf ansehen. Die Arbeiterschaft Palästinas hat nicht die Rassenkuh zu dem hohen Proletarierstand erhoben, um mit ihr fraternisieren zu können, noch hat sie die Tomate in den niedrigen Adelstand heruntergesetzt, um ihr Klassenkampf ansagen zu können. Ewiger Friede herrscht zwischen den Kulturpflanzen, die als „Interklassen" zu gelten haben. Die Frage ist eine prosaische, einfache: Die Sicherheit des Ertrages und dessen Höhe. Ich bedaure, den hohen Kongreß mit Technik langweilen zu müssen. Der Kongreß ist nicht das hohe Tribunal, das darüber zu entscheiden hat, ob man mit Traktoren oder mit Pferden pflügen soll, wie man zu melken und zu säen hat. Da aber die Kolonisationsformen von der landwirtschaftlichen Technik abhängig sind, können die ersteren nicht bestimmt werden, bevor die letztere feststeht. Wie schön klingen die Worte: „Das Land der Früchte und, der Gemüse!" Die Wahrheit ist aber leider niemals so schön wie die Dichtung. Wir hatten einmal einen großen Dichter, der zugleich ein großer Kolonisator war; er wußte aber Wahrheit und Dichtung auseinander zu halten. Das war kein geringerer als Moscheh Rabbenu. Dieser hat das Land besungen, aber als Kenner wie kein anderer hat 407