Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 416)
- Language
- German, English, Hebrew
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Stricker in Amerika hätten uns fünf Millionen Dollars zugesagt. Sofort ist eine flammende Berichtigung von Marshall gekommen: „Nie haben wir etwas zugesagt, nie werden wir etwas zusagen. Wie kann man uns das zumuten?" Uns gegenüber sind die Herren sehr nobel, zwischen uns darf nicht von Geld gesprochen werden. Aber es braucht nur Trotzki zu kommen oder ein Agent von Trotzki, und da ist man nicht mehr nobel und da spricht man über Geld und verpflichtet sich zu 15 Millionen Dollars für die Krimkolonisation. (Beifall.) Bilden Sie sich nicht ein, daß Sie den anderen einreden werden, daß Palästina mit Nichtzionisten gebaut werden kann. Das ist Lug und Trug. Bei der ersten Gelegenheit brechen sie aus. Das hat sich deutlich gezeigt. Ueber Palästina haben sie zu verhandeln angefangen; wie die Krim gekommen ist, sind sie ausgebrochen. Aber wir werden weiter über die Jewish Agency beraten, und Sie werden Resolutionen fassen, nicht für eine Wirklichkeit, sondern für eine Fiktion. Präsident Weizmann hat vor drei Tagen da gestanden und hat gesagt: „Ich muß Euch Illusionen rauben". Und hat geraubt. Alles hat er geraubt. Politisch dürfen wir nichts verlangen, sozial dürfen wir nichts verlangen und wir dürfen uns nicht rühren. Alle Illusionen hat er uns genommen, nur eine nicht: die Erweiterung der Jewish Agency nach seinem Programm. Aber das ist keine Illusion mehr, es ist eine Fiktion! (Beifall.) Noch von einem hat er gesprochen: er hat meinem Gesinnungsgenossen Grünbaum vorgeworfen: Womit kommt Ihr? Mit den anonymen Massen, die uns nichts geben werden? Die anonymen Massen haben uns Palästina gegeben. Wenn die anonymen Massen nicht wären, wären wir nicht hier, und wenn die Gesellschaft nur da wäre, auf welche Dr. Weizmann sehnsüchtig seine Blicke richtet, hätten wir Palästina nie bekommen. (Beifall.) Und ich warne ihn. Ich warne ihn wegzugehen und die Zionisten wegzuführen von den anonymen Massen zu denjenigen, von denen wir bestenfalls, aber ich sage bestenfalls, etwas Geld bekommen können, etwas Geld, weiter nichts. Wenn ich jetzt den Namen Dr. Weizmann genannt habe, so erkläre ich Ihnen, ich habe ihn nur als Symbol genannt. Es fällt mir nicht im Traum ein, Weizmann die ganze Verantwortung aufzubürden für das, was geschehen ist, und für das, was geschehen wird. Sie alle sind dafür mitverantwortlich. Und machen Sie Schluß mit dieser Politik: „Wir werden keinen anderen finden, wir müssen alles tun, was Weizmann von uns verlangt." Sie begehen gegen den Mann das größte Unrecht, die größte Sünde, das sage ich Ihnen, der heute im Kampf gegen Weizmann steht. Sie verfolgen die Tendenz, sich mit dem Wort „wir brauchen Weizmann, und wir müssen tun, was er will" von der Verantwortung zu entlasten! Täuschen Sie sich nicht! Sie haben die Verantwortung und mit Ihnen wird die Weltgeschichte 405