Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 394)
- Language
- German, English, Hebrew
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Levite ausgedrückt, aber zugleich auch erklärt, daß er daran zweifle, ob diese Methoden, die von einer gewissen Gruppe empfohlen werden, die Schaffung einer jüdischen Majorität im Lande herbeiführen könnten. Er erklärte weiters, daß die 100 Familien, deren Ansiedlung dieses Arbeitssystem im besten Falle ermögliche, uns nicht zu dem im ganzen jüdischen Volke ersehnten Ziele führen könnten. Wenn Ihr wirkliche Demokraten seid, dann sagt, daß Ihr das nicht wollt. Fordert Gleichberechtigung, Erhaltung des Gleichgewichtes, ja, aber verwendet nicht die Mittel, die Ihr jetzt benützt habt. Ihr habt doch jetzt eine Autonomie. Aber alles, was Ihr im Lande tut, zielt darauf hin, diese Autonomie zur Diktatur zu machen, sie zur einzigen organisierten Macht im Lande zu gestallten. So zum Beispiel baut Ihr Eure Wirtschaften nach gewissen Theorien, wogegen das jüdische Volk der Ansicht ist, daß sich alle Klassen des Volkes an dem Aufbau zu beteiligen haben. Endlich ist Herr Halpern gekommen, und mit Freude haben wir wieder sein Referat gehört. Dr. Halpern hat endlich den Mut aufgebracht — man muß dazu besonderen Mut haben — hier das zu sagen, was wir schon seit vielen Jahren wissen und seit langer Zeit predigen. Ich will Herrn Dr. Halpern nicht kompromittieren, da sich nämlich das, was ich hier erklärte, mit dem Programm der Gruppe „Eth Liwnoth" deckt, was ja eine Blamage für Herrn Dr. Halpern ist. (Beifall.) Er sprach hier von den eisernen ökonomischen Gesetzen, und diese ökonomischen Gesetze . . . (Delegierter Jabnieli: Die ökonomischen Gesetze sind bei Ihnen Monopol, nicht bei uns! Sie kennen sie, und dann kommt Herr Schocken und erzählt uns etwas wegen der Wirtschaft, nachdem wir zwanzig Jahre gearbeitet haben!) Ich habe Eure Redner nicht gestört, stört Ihr auch mich nicht! (Zwischenruf links: Woher stammt Ihre Weisheit? Vielleicht wollen Sie uns das erzählen.) Meine Herren, all das hat Herr Halpern in seinem Referate gesagt. (Andauernder Lärm.) Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Sie brauchen nicht unruhig zu sein, ich mache Sie darauf aufmerksam, Sie haben das doch schon einmal gehört. Herr Levite macht mich aufmerksam, wenn man ihn weiter stört, muß ich ihm die Zeit anrechnen. Die Gerechtigkeit verlangt es so. Ich bitte also um Ruhe. Mitglied des A.-C. Levite (fortfahrend): Meine Damen und Herren! Herr Dr. Halpern hat hier eine bestimmte These aufgestellt, aber er hat meiner Meinung nach nicht die nötigen Konsequenzen daraus gezogen. Er sagte uns, daß das Mittel, welches uns helfen kann, die Gründung einer Industrie ist. Aber nicht das ist die Hauptsache. Es handelt sich um folgendes: Was soll die Zionistische Organisation mit den ihr zur Verfügung stehenden 500.000 Pfund, ja sagen wir sogar, einer Million Pfund machen? Wir berufen uns sehr oft auf Herzl, besonders auf seine Meinungen in Fragen der Politik. Herzl aber sagte uns, daß die Zionistische Organisation nur „Bedingungen", aber nicht „Dingeu zu schaf- 383