Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 393)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476282--6092-3482238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10. Sitzung: Palästinadebatte was für Arbeitsmethoden wir zu wählen haben, um so schnell wie möglich eine jüdische Majorität im Lande zu schaffen, die Massen zu produktivieren und ihnen ein normales Leben zu ermöglichen und die Aufbauarbeit so einzurichten, daß sie den Erfordernissen des jüdischen Lebens entspricht. Das ist die Hauptsache und alles andere ist, wenigstens unserer Meinung nach, nicht mehr als Theorie und Doktrin. Wenn man aber die Aufbauarbeit in Palästina, so wie es unsere Kollegen von links wollen, gewissen Klassen- und sozialen Theorien unterordnen will. (Delegierter Harzfeld: Das haben wir bisher nie getan!), dann müssen wir dem offen entgegentreten und hier erklären, daß in keinem Lande solche Experimente gemacht werden und nirgends ein Land von einer Klasse aufgebaut wird. Wir werden diesen Zustand auch in Palästina nicht dulden. Es würde uns zu weit führen, wenn ich hier Beispiele dessen anführen wollte, was jetzt in Palästina unter dem Protektorat der Zionistischen Organisation geschieht. Sie müssen doch zugeben, daß die Zionistische Organisation, beziehungsweise die Palästina-Exekutive der Organisation nur eine Expositur zur Verteilung oder, richtiger gesagt, zur Auszahlung der Gelder ist. Sie hat nicht den mindesten Einfluß auf den Gang der kolonisatorischen und landwirtschaftlichen Arbeiten, sie ist nur eine Zentralkassa der Arbeiter-Organisation. Was will Herr Harzfeld? Nicht die Zionistische Organisation ist das jüdische Volk, sondern Herr Harzfeld glaubt, daß nur er und seine Parteigenossen ein Monopol auf das jüdische Volk haben. Und was hat uns hier Herr Harzfeld gesagt? Er will, daß wir die Funktionen des Geldsammelns übernehmen, wie es ja auch schon einer der Arbeiterführer sagte: „Ihr sammelt das Geld; was mit dem Gelde geschehen soll, das werden wir schon bestimmen." Mit einem Wort, man will die Tätigkeit der Zionistischen Organisation auf die Geldsammlung reduzieren und die Gelder nur einseitig verwenden. Das ist die Wirklichkeit. Und was meinte Herr Harzfeld, als er uns sagte, die Arbeiter hätten schon 18 Jahre aufopfernder Arbeit hinter sich? Aber Dr. Ruppin, welchen ich sehr schätze, ja sogar liebe, hat leider nicht bewiesen, daß die Arbeitsmethoden, deren man sich während dieser 18 Jahre bedient hat, die richtigen sind. Er konnte es nicht beweisen, weil ja auch Siedlungen noch nicht dieses wirtschaftliche Niveau erreicht haben, um sich selbständ ig erhalten zu können. Sowohl Daganiah, welches schon 16 Jahre besteht, wie auch Kinereth und verschiedene andere von uns errichtete Siedlungen haben dieses Niveau noch nicht erreicht und uns somit auch noch nicht bewiesen, daß ihr Wirtschaftssystem das richtige und das einzig mögliche ist, daß es das System ist. Wir haben einen erstklassigen Fachmann zur Untersuchung der Lage eingeladen und dieser hat Euer System nicht als das richtige anerkannt, sondern das Gegenteil davon behauptet. (Rufe links: Sicher, sicher, er ist der Agronom!) Er hat seine Bewunderung für den opferbereiten Idealismus, für die schöne Romantik 382