Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 392)
- Language
- German, English, Hebrew
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Harzfeld, Sokolow, Lernte Offenherzigkeit und Aufrichtigkeit sehr dankbar. Er hat uns hier ehrlich und aufrichtig die Meinung, seine und seiner Genossen* Meinung und Ansicht dargelegt. Ich will gegen ihn nicht polemisieren und nur versuchen, all diejenigen Fragen zu behandeln, die dieser Kongreß zu beantworten hat. Die erste Frage ist: Wie stellt sich der Kongreß den weiteren Aufbau Palästinas und die Fortsetzung unserer Arbeit im Lande vor? Die zweite Frage: Wie kann man nach der Meinung des Kongresses die große Einwanderung, die jetzt vor sich geht, beherrschen und regulieren? Die dritte Frage: Auf welche Weise und auf welchem Wege soll die Zionistische Organisation auf all das, was außerhalb ihres Machtbereiches für den Aufbau Palästinas unternommen wird, Einfluß nehmen? Es ist nämlich ein offenes Geheimnis, daß all das, was direkt oder indirekt für den Aufbau Palästinas von außerhalb geleistet wird, um ein Vielfaches die Leistungen der Zionistischen Organisation selbst übertrifft. Wir müssen uns einmal klare Rechenschaft davon abgeben, wie wir uns dazu stellen, und nicht bloß die Budgetziffern im Kongreß eingehend behandeln. Denn wenn wir ernstlich an den Aufbau Palästinas denken, so müssen wir anerkennen, daß damit die Frage keineswegs gelöst wird. Das ist keine Lösung der Frage, wenn wir es mit der Durchführung des Aufbaues Palästinas ernstnehmen und die Aufbauarbeit nicht zu einer Angelegenheit einer kleinen Gruppe von Leuten, die einer gewissen Partei angehören, machen wollen. Meine Damen und Herren! Sie sind im Irrtum, wenn Sie glauben, daß wir mit unserem Budget von 500.000 Pfund, das uns nicht die Möglichkeit gibt, heuer zum Beispiel neue landwirtschaftliche Positionen zu schaffen, sondern bestenfalls eine kleine Anzahl von Familien anzusiedeln, wenn Sie glauben, daß die Zionistische Organisation mit diesem Budget die Aufgaben, die ihr beim Aufbau des Landes zufallen, wird erfüllen können. Mit einem solchen Budget kann man Palästina nicht bauen. Das wäre doch — wie soll ich das nur nennen — ein modernisierter Chowewe-Zionismus, und diesen modernisierten Chowewe-Zionismus lehnen wir doch ab. Wir wollen einen Zionismus, der Palästina entsprechend den neuen Bedingungen und Verhältnissen im jüdischen Leben, auf die wir 40 Jahre lang gewartet haben, bauen kann. Der von uns ersehnte Zustand ist nun eingetreten. Aber was für eine Antwort hören wir jetzt darauf? Man sagt uns, alles solle beim alten bleiben. Das ist echter Zionismus, meint Herr Goldmann von der radikaldemokratischen Gruppe. Andere wieder sagen uns — das haben wir eben vom Gesinnungsgenossen Harzfeld gehört —, daß wir das bisher Geschaffene fördern und stärken und die Aufbauarbeit einseitig führen sollen, das heißt, in Zusammenarbeit mit der Arbeiterschaft, wie das Herr Harzfeld von der Zionistischen Organisation verlangt. Wie steht es aber praktisch mit der Aufbauarbeit? In den Fragen des Aufbaues Palästinas lassen wir uns einzig und allein von dem Gedanken leiten, 381