Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 384)
- Language
- German, English, Hebrew
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Goldmann von diesem Kongreß, von dem vielleicht so manche Formel hinausgeht, auch diese gefährliche Formel ausgeht, nicht weil ich jemanden zu verteidigen hätte, sondern weil sie doch wirklich absolut verzerrt ist. Es handelt sich doch nicht um Verschiedenheiten der politischen Anschauung und des politischen Systems. Wer von uns ist nicht dafür, daß wir mit jüdischen Mitteln Politik treiben, daß wir unsere Politik führen im Vertrauen auf das Recht und unter Betonung unseres Rechtes? Aber wir wenden uns gegen folgendes, meine Damen und Herren: wenn man zu uns kommen und uns sagen würde, die politische Konjunktur sei schlecht, wir würden als erprobte alte Zionisten verstehen, wie weit wir uns in der Kritik zu beschränken hätten. (Beifall.) Aber wir sagen, daß eine schlechte Konjunktur doppelte Aktivität erfordert. Weizmann macht aus der Not eine Tugend. Er baut auf einer schlechten Konjunktur die Weisheit eines jüdischen Staatsmannes als ideales Vorbild auf. (Beifall.) Und, sehr verehrter Kongreß, erlauben Sie mir das Wort zu sagen: das Prinzip, aus der Not eine Tugend zu machen, ist vielleicht „assimilierter" als unsere Forderung, in schlechter Konjunktur mit verdoppelter Kraft zu arbeiten. Wir verlangen keine schreienden Demonstrationen. Ich habe immer sehr wenig von diesen Demonstrationen gehalten und ich halte heute vielleicht noch viel weniger davon. Ich weiß, daß man diese Mittel nur mit äußerster Vorsicht gebrauchen darf. Aber wir verlangen, daß die Exekutive erkenne, daß das System der Administration in Palästina den uns im Mandat garantierten Rechten widerspricht, und ich will Ihnen sagen, warum es ihnen widerspricht. Die Wahrheit über das System der palästinensischen Administration wurde nie deutlicher, niemals sympatischer gesagt, als von Herbert Samuel in seinem Bericht: das System der palästinensischen Administration besteht darin, daß es unsere Kolonisation wohlwollend toleriert. Nach dem Mandat aber hat die Mandatsmacht die Kolonisation schöpferisch zu fördern. Wir verlangen von unserer Exekutive, daß sie die Schaffung einer derartigen Administration in Palästina nachdrücklich verlangt. Keinen Teil von Weizmanns Rede bedaure ich so sehr wie den Ausspruch, wir wollten England einreden, Palästina hätte eine strategische Bedeutung. Hinzugehen und England einzureden, Palästina hätte absolut keine strategische Bedeutung — was ist das für eine Politik? (Beifall.) Wir reden England gar nichts ein, England weiß, was es in Palästina tut, und mir wenigstens, meinem unpolitischen Kopfe, wird niemand beweisen, daß, weil England ausdrücklich aus ethischen Gründen nur uns in Palästina haben will, es den Feldmarschall Plumer nach Jerusalem gesandt hat. (Beifall.) Nur noch ein Wort und ich bin fertig, verehrter Kongreß; ich muß dieses Wort sagen, um wieder ein Mißverständnis zu verhindern. Ich will nicht das Problem der Jewish Agency aufwerfen, ich werde nicht die Polemik dagegen hier anführen, aber eines muß ich 373