Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 383)
- Language
- German, English, Hebrew
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10. Sitzung: Palästinadebatte es geworden ist, so ist es geworden, weil dort nicht nach Prinzipien kolonisatorischer Administration im üblichen Sinne geleitet wurde, sondern — ich brauche es nicht auseinanderzusetzen, Dr. Ruppin hat es in einer ausgezeichneten Weise gesagt — so geleitet wurde, daß die Menschen, die Palästina gebaut haben, das Gefühl der Autonomie, der Gleichberechtigung, das Gefühl gehabt haben, sie sind die Subjekte dieses Aufbaues und nicht Objekte, die man kolonisiert und mit denen eine Administration irgendwie verfährt. Das muß gewahrt bleiben, meine Damen und Herren, und keine starke Kolonisationsleitung darf zu dem Mißverständnis führen, daß wir irgend ein Administrationssystem im schlechten Sinne dieses Wortes dort etablieren wollen. Und jetzt kommt ein Drittes hinzu, das ich bemerken möchte. Es handelt sich hier um Rentabilität und um Wirtschaftlichkeit, und niemand wird hier sein, der sich gegen solche Prinzipien aussprechen würde. Aber eines dürfen wir nicht vergessen: Das Entscheidende ist für die Eroberung aller neuen Positionen in Palästina, daß der Geist des Pionier tum s, der bisher unsere Kolonisation und die Menschen, die sie gemacht haben, geleitet hat, weiter erhalten bleibt. Mit keiner wirtschaftlichen Stabilität wird diese Okkupation durchzuführen sein, wenn die Menschen in dieser Pioniergesinnung, in dieser Opferbereitschaft irgendwie geschwächt werden. Und diese Gesinnung zu erhalten und in der Diaspora einen immer weiteren Kreis junger und älterer Menschen — ich zähle diese auch zu den Chaluzim — zu erhalten, die dadurch angelockt werden, daß ihnen in Palästina Gelegenheit gegeben ist, diese menschliche Qualität, die Pioniergesinnung im Leben zu verwirklichen. Das ist eine dringende Notwendigkeit für dieses Aufbauwerk, wie wir es verstehen. Verehrter Kongreß! Mit dem Problem allein sind aber die Fragen des Aufbauwerkes noch nicht erledigt. Wenn ich auch sonst mit Jabotinsky nicht einig gehe, so stimme ich seier Erkenntnis zu, daß für dieses Werk entscheidende politische Voraussetzungen miterfüllt sein müssen. Es ist unmöglich, unser Aufbauwerk als eine rein ökonomische und soziale Aufgabe hinzustellen. Ich sage Ihnen, daß gewisse politische Maßnahmen absolut notwendig sind. Ich stehe nicht auf dem starren Dogma einer ganz bestimmten politischen Auffassung. Ich bin der Ansicht, wir werden jede politische Taktik suchen, um in jeder politischen Konjunktur kolonisieren zu können, und werden in jeder Lage unsere Anstrengungen fortsetzen müssen. Es geht um die Herbeiführung eines Maximums an politischen Voraussetzungen auf Grund der uns garantierten Rechte, die zweifellos eine ungeheure Erleichterung unserer Kolonisationsschwierigkeiten und eine Ermöglichung rascheren Fortschrittes bieten werden. Unser Präsident hat hier zwei politische Systeme gegeneinander gestellt, das System einer jüdischen Staatskunst und eines von angeblich assimilierten Menschen. Verehrter Kongreß, ich möchte nicht, daß 372