Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 382)
- Language
- German, English, Hebrew
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Neiger, Goldmann zionistische Welt hinausgelangen zu lassen, müssen wir mit aller Deutlichkeit erklären — und ich freue mich, wenigstens in diesem Punkte unsere Uebereinstimmung mit den Ansichten des Herrn Dr. Weizmann ausdrücken zu können — müssen wir mit aller Deutlichkeit erklären, daß keine Notwendigkeit und keine Möglichkeit für einen sogenannten neuen Kurs vorhanden ist, daß unbeschadet aller notwendigen Reorganisation in wirtschaftlichen Dingen, unbeschadet aller Notwendigkeit einer sachlichen und strengen Kontrolle über die Ausgabe der Summen, die der Kongreß für diese und jene Position bewilligt, doch die Prinzipien der Kolonisation, von denen wir früher ausgegangen sind, unverändert werden bleiben müssen. Und, verehrter Kongreß, wir sind doppelt gezwungen, das zu betonen, weil wir in der schwierigen Lage sind, für den Mann, der symbolisch und faktisch die Prinzipien unseres Aufbauwerkes in Palästina dargestellt hat, für Herrn Doktor Ruppin, einen Nachfolger zu wählen. Und es muß mit aller Klarheit gesagt werden, daß der Nachfolger des Herrn Dr. Ruppin keinen Systemwechsel bedeuten kann, sondern daß er einzig die Linie des Aufbauwerkes wird fortsetzen müssen, die von ihm in einer vorbildlichen und verdienstvollen Weise geführt wurde. (Beifall.) Lassen Sie mich, verehrter Kongreß, ganz kurz, denn ich habe noch über einige andere Fragen zu sprechen, ganz kurz diese entscheidenden Prinzipien hier herausarbeiten. Ich glaube, es handelt sich im wesentlichen um drei große fundamentale Prinzipien, auf denen unser Aufbauwerk aufgebaut sein muß. Das erste Prinzip, das von allen anerkannt werden wird, ist das Prinzip einer starken, einheitlichen zionistischen Leitung des Aufbauwerkes. Wir können uns in Palästina nicht den Luxus des Laissez-passer erlauben, es würde zu einem Chaos führen, von welchem Standpunkt immer man auch die Dinge betrachten mag. Und wenn die vierte Alijah, von der so viel gesprochen worden ist, manche Gefahr gezeitigt hat, so ist das doch weniger Schuld dieser vierten Alijah, sondern des Umstandes, daß sie unserer Kolonisations- oder Aufbauleitung über den Kopf gewachsen ist und daß diese nicht stark genug und stabil genug war, um diesen Immigrationsstrom zu regulieren. Und wenn Zionismus Zionismus bleiben soll und wir in Palästina ein jüdisches Heim aufbauen sollen (Beifall), dann wird es für lange Zeit notwendig sein, daß dieser Immigrationsstrom stark und stabil von einer zentralen zionistischen Leitung reguliert und geleitet wird. Das ist das eine; und dazu kommt ein zweites Prinzip, das man betonen muß, weil die Gefahr besteht, daß die Forderung einer starken Leitung des Aufbauwerkes mißverstanden wird. Es gibt bereits dahin zielende Tendenzen, es besteht die Gefahr, daß unter einer starken Leitung vielleicht die Einsetzung eines administrativen Systems verstanden wird. Und da müssen wir erklären, daß das die größte Gefahr wäre, die denkbar wäre. Wenn Palästina das ist, was 24* 371