Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 379)
- Language
- German, English, Hebrew
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10. Sitzung: Palästinadebatte gegen ein Mißerfolg in der Palästinaarbeit zu verzeichnen ist, so wird das auf das Konto der Zionistischen Organisation gebucht. Man wird natürlich behaupten, daß die Zionisten die Juden aus dem Geleise gebracht, sie zur Auswanderung nach Palästina veranlaßt und so die kritische Lage, in der sich die Einwandererelemente befinden, verschuldet haben. Deshalb dürfen wir nicht beiseitestehen und gleichgültig zusehen, was mit diesen Elementen geschieht, sondern wir müssen uns urn die Sicherung ihrer Existenz in Palästina kümmern. Solange der Immigrationsstrom anhält und 3000—4000 Einwanderer monatlich ins Land kommen, wird sicher die Fremdenindustrie allein einen Großteil der Immigranten absorbieren. Aber wir müssen immer damit rechnen, daß verschiedene Verwicklungen eintreten können, beziehungsweise die Immigration für den Zeitraum von einem halben oder von einem Jahre sinken wird, was eine furchtbare Krise hervorrufen könnte, welche dem ganzen jüdischen Jischuw in Palästina gefährlich werden würde und deren Auswirkungen auch in der Verschärfung der Immigrationsbestimmungen zu verspüren wären. Es ist deshalb die Pflicht der Zionistischen Organisation, die Aufgabe des Kongresses, ein Amt zu schaffen, das sich mit all diesen Olim in Palästina, sogar mit denjenigen, die sich eine Existenz gegründet haben, befassen soll. Es muß auch für Reservearbeit für die Bauarbeiter vorgesorgt werden, damit sie im Falle des Stockens der Bautätigkeit beschäftigt werden können. All diesen Dingen dürfen wir nicht gleichgültig gegenüberstehen. Ich möchte hier noch auf die Frage der Machlakath Awod a h zurückkommen, die auch schon vom Führer der westgalizischen Zionisten Dr. Thon behandelt wurde. Ich habe die Ehre, Mitglied der Palästinakommission in einer Provinzstadt zu sein, und habe so die Möglichkeit, die Agitation zu beobachten, welche die linken Elemente bei der Verteilung der Zertifikate entfalten. Ich will keine Agitation betreiben, aber es ist Tatsache, wenn ein Chaluz in die Chaluzorganisation eintreten will, muß er nachweisen, daß er einen Schekel der linken Parteien gekauft hat. (Zwischenruf links: Das ist nicht wahr!) Und ich konstatiere diese Tatsache, indem ich mir der vollen Verantwortung als Delegierter des Kongresses bewußt bin. Zugleich will ich auch betonen, daß dieser Vorgang nicht nur in der Stadt, wo ich wohne, sondern in ganz Galizien und in ganz Polen zu beobachten ist. (Zwischenrufe und Beifall.) Wenn sich also die Sache in allen Städten so verhält, so muß ich betonen, daß wir in diesem Falle bei der Machlakath Awodah eine einseitige Politik feststellen müssen. (Beifall.) Es ist nicht gestattet, einen Zionisten zum Beitritt in die Chaluzorganisation zu zwingen, wenn er mit dem Programm der linken Parteien nicht einverstanden ist. (Beifall.) Ja, es gibt auch einen „Chaluz des Misrachi", und außerdem ist jeder Jude, der für Palästina arbeitet, als Chaluz zu betrachten. (Beifall.) Der Baron, den Sokolow hier genannt hat, ist auch ein Chaluz. (Beifall, 368