Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 378)
- Language
- German, English, Hebrew
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Rosenblüth, Neiger schicken würden, die sich landwirtschaftlich im Lande betätigen wollen, dagegen aber diejenigen Elemente von der Einwanderung ins Land ausschalten, welche dorthin diejenigen Spekulationsgeschäfte hinüberbringen, die schon in der Galuth die Würde und das Ansehen des jüdischen Volkes schädigen. Nach dem jetzigen Stand der Dinge aber können wir nur diejenigen kontrollieren, die Zertifikate benötigen, also als Chaluzim und als Arbeiter nach Palästina gehen. Ueber diese Elemente haben wir die Kontrolle und aus diesen Elementen können wir diejenigen wählen, die für den Aufbau eines jüdischen Palästina nötig und nützlich sind. Dagegen können wir keine Kontrolle üben in Bezug auf die Auswanderung derjenigen Elemente, die rote Zertifikate besitzen oder als sogenannte Kapitalisten nach Palästina gehen. Es handelt sich eben in diesem Falle darum, daß der Kongreß Mittel und Wege finde, um die nicht regulierte Einwanderung in Bahnen zu lenken, die den Wünschen des Kongresses entsprechen. Zu diesem Zwecke sollte man meiner Meinung nach vor allem ein Büro, eine Stelle schaffen, ähnlich dem schon bestehenden Departement für Handel und Industrie, die zu schaffende Stelle soll aber keine bloße Auskunftsstelle sein. Dieses Büro soll sich mit jedem Einwanderer, der nach Palästina kommt, befassen, seine Wrünsche entgegennehmen, seine Fähigkeiten kennen lernen und überhaupt in Erfahrung bringen, wie dem Manne geholfen werden und wie er sich eine Existenz in Palästina gründen kann auf eine Art und Weise, die die jüdische Ehre in Palästina nicht schädigt. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Haupteinkünfte der Städte, vor allem Tel Awiws, jetzt hauptsächlich von der Immigration stammen. Die allein gibt dem größten Teil der Einwohnerschaft Tel Awiws Verdienstmöglichkeiten. Denn die monatliche Einwanderung von 2000 Juden nach Tel Awiw steigert den Häuserbau, gibt tausenden Bauarbeitern Beschäftigung, diese wieder erhalten die verschiedenen Geschäfte und Kaufläden, die dort entstanden sind. Kurzum, die Immigration ist die Haupteinnahmequelle der Städte und speziell Tel Awiws. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß eine Zeit kommen kann, wo die Immigration zum Stillstand gebracht wird, beziehungsweise wo sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Diaspora und speziell in Polen ändern, bessern werden — wir dürfen doch die Hoffnung nicht aufgeben, daß sich die katastrophale Lage im Galuth doch einmal bessern wird — und wenn sich die La^e bessern wird, dann wird die Einwanderung zurückgehen, und das kann zu einer Krise in den Städten Palästinas führen. Diese Krise kann uns, der Zionistischen Organisation, gefährlich werden, obzwar wir diese Einwanderung gar nicht hervorgerufen haben und trotzdem uns von manchen Seiten vorgeworfen wird, daß die Immigration nicht unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation steht. Wenn einmal etwas Positives mit Erfolg in Palästina durchgeführt wird, dann behauptet man, der Zionismus habe zu diesem Erfolg gar nichts beigetragen. Wenn da- 367