Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 374)
- Language
- German, English, Hebrew
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Federbusch, Kaken der Zionisten unter dem Strafgesetze steht und jede Betätigung überhaupt nur im Geheimen möglich ist. Sie werden ferner dem Berichte der Exekutive entnommen haben, daß diese traurige Lage in Ungarn in erster Reihe auf eine Intervention der offiziellen Vertreter der ungarischen Judenheit, sowohl der orthodoxen als auch der liberalen Judenheit, zurückzuführen ist. (Stürmische Rufe: Pfui! Skandal!) Sie werden aus dem Berichte der Exekutive entnommen haben, daß, als infolge einer Intervention der Exekutive eine Enquete durch das ungarische Ministerium für Kultus und Unterricht und späterhin eine Enquete durch den Premierminister angestellt wurde, daß es die offiziellen Vertreter der Juden waren, die offiziell und kategorisch dagegen Protest erhoben, daß in Ungarn eine Legalisierung der Zionistischen Organisation zugelassen werde. (Stürmische Pfuirufe.) Von dieser Kongreßtribüne betrachte ich es als meine Pflicht, hier öffentlich Protest zu erheben gegen das verräterische Vorgehen der Leute, die sich als offizielle Vertreter der Judenheit zu repräsentieren erkühnen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Hoher Kongreß! Es ist sehr traurig, daß in einer Zeit, wo in Ungarn der Numerus Clausus herrscht, das in einer Zeit, wo tausende jüdische Jünglinge gezwungen sind, deutsche Universitäten zir besuchen und dort an die Solidarität der Gesamtjudenheit zu appellieren, daß sich in einer solchen Zeit Juden, Präsidenten von Kultusgerneinden, Präsidenten von ungarischen Landesorganisationen, erkühnen, gegen einen Teil der Juden, welche für das Judentum arbeiten, Stellung zu nehmen. (Stürmische, langanhaltende Pfuirufe.) Hoher Kongreß! Ich bin trotzdem der Meinung, daß in Ungarn eine Zeit kommen wird, wo eine Betätigung für den Zionismus, wo eine Betätigung für die Palästinaarbeit dennoch möglich sein wird. Sie dürfen nicht vergessen, daß Ungarn heute innerhalb seiner so sehr reduzierten Grenzen noch immer eine jüdische Bevölkerung von zirka einer halben Million zählt. Ungarn ist heute immer noch eines der am reichsten mit Juden bevölkerten Länder, die ungarische Judenheit steht kulturell ziemlich hoch und wirtschaftlich recht gut. Wir dürfen daher auf die ungarische Judenheit keineswegs in unserer Arbeit verzichten. Wir müssen alles versuchen, es ist die Aufgabe unserer Exekutive, alles zu versuchen, daß eine Betätigung auf legaler Basis in Ungarn ermöglicht werde. (Beifall.) Hoher Kongreß! Die Anzeichen mehren sich, daß in Ungarn auch in den leitenden Kreisen der Judenheit die Einsicht wächst, daß die Juden sich auch in Ungarn trotz ihrer patriotischen und politischen Einstellung für den Zionismus betätigen müssen. Erst neulich hat der gewesene ungarische Justizminister Väzsonyi zusammen mit anderen führenden Männern eine Erklärung abgegeben, daß es eine Pflicht der Gesamtjudenheit sei, am Palästinawrerk mitzuarbeiten. Ich hoffe also, daß die trüben Zeiten, in denen sich die offiziellen 363