Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 375)
- Language
- German, English, Hebrew
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tö. Sitzung: Palästinadebatte Führer der ungarischen Judenheit ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt haben, daß diese trüben Zeiten verschwinden werden und daß in naher Zukunft, besonders wenn die Exekutive uns unterstützen wird, die Möglichkeit gefunden wird, daß auch die ungarische Judenheit den ihr gebührenden Platz innerhalb der Welt judenheit einnimmt. (Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Geehrter Kongreß! Ich habe diese Abweichung von dem eigentlichen Thema unserer Debatte deswegen zugelassen, weil Herr Dr. Kahan wegen der früheren Debatte es nicht für richtig hielt, seine Erklärung hier vorzubringen. Zu Worte gelangt jetzt der Vertreter der Freien zionistischen Vereinigung, Herr Felix Rosenblüth. Delegierter Felix Rosenblüth: Geehrter Kongreß! Das Referat von Herrn Schocken bewegte sich in seinem wesentlichen Teile in der Sphäre der Arbeiterwirtschaft, und ich begrüße es, daß dieses Thema, das bisher während der Plenarverhandlungen des Kongresses immer zu kurz gekommen war, durch Herrn Schocken angeschlagen worden ist. Wir haben im ersten Teil der Generaldebatte von verschiedenen Seiten des Hauses gewisse Versicherungen gehört: „Wir kommen nicht, um gegen die Arbeiter zu kämpfen, wir haben volle Sympathie für sie." Aber wir fürchten, daß diese Zusicherungen nicht in einer optimistischen, in einer freudigen, in einer zuversichtlichen Anerkennung und Würdigung der Arbeiterleistung wurzelten. Man konnte diese Versicherungen auch so verstehen: Ihr vertretet eure Arbeiterinteressen, wir vertreten unsere Mittelstandsinteressen, wir kommen uns gegenseitig nicht nahe und über das System werden wir uns schon irgendwie verständigen. Meine Damen und Herren! Wir stehen der Arbeiterwirtschaft nicht gleichgültig genug gegenüber, um uns diese Auffassung zu eigen machen zu können. Grade weil wir die Arbeiterwirtschaft für einen der tragenden Grundpfeiler des palästinensischen Wirtschaftsgebäudes halten, grade weil wir glauben, daß unser Ziel die freie, frei gewollte Einwanderung nach Palästina ist, die nicht unter ökonomischem Druck erfolgt, sondern . . . (Unruhe.) Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Ich möchte die Herren bitten, nicht fortwährend herumzugehen, und die Ordner dafür zu sorgen, daß größte Ordniung im Saal ist. Delegierter Felix Rosenblüth (fortfahrend): . . . sondern der Ausfluß einer zionistisch sittlichen Tat ist. Gerade deswegen glauben wir, daß der Arbeiterwirtschaft eine so große Bedeutung zukommt, daß man auf eine Auseinandersetzung mit ihr nicht verzichten kann. Wir begrüßen es daher, daß durch den Vertreter der Exekutive, durch Herrn Schocken, Reformvorschläge gemacht worden sind, und glauben, daß dieser Wille zur Reform, daß dieser Wille zur Kritik, daß dieser Wille zur Auseinandersetzung aus einer grundsätzlich positiven Einstellung zur Arbeiterwirtschaft ent- 364