Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 369)
- Language
- German, English, Hebrew
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9. Sitzung: Palästinadebatte damit es nicht von ausländischen Märkten abhängig ist. Aber Herr Soskin ist der Meinung, daß wir Weizen, Milch, Geflügel und alles andere unter günstigen Bedingungen aus dem Auslande importieren können. Nur Gemüse soll Palästina, nach Soskin, ins Ausland senden. Aber heute ist die Lage eine derartige, daß unser Haupteinkommen gerade von der Milchwirtschaft stammt, trotzdem uns Australien schon Butter schickt. Vorläufig ist unter den jetzigen Bedingungen Palästinas der Gemüsebau nicht sehr ertragreich. Also das, was wir heute haben, das, was uns heute die Haupteinkünfte liefert, das setzt er herab auf Grund dessen, daß einmal eine Zeit kommen kann, wo man uns auch Milch nach Palästina schicken wird. Und das, was wir zur Zeit noch nicht besitzen, nämlich den Gemüseexport ins Ausland, der uns zweifellos einen gewissen Ertrag bringen könnte, das stellt er als das Wichtigste hin, betrachtet alle Kolonien, die schon gegründet wurden, als aussichtslos und will alles nur auf Gemüsebau gründen. Die Rechnung, die er aufgestellt hat, ist auch nicht richtig. Es ist das die Rechnung eines arabischen Fellachen. Er sagt uns doch, daß es sich gar nicht lohnt, Getreide zu züchten, um es dann auf den Markt zu bringen. Das wußten wir schon vor ihm und wir sind nicht gegen Neuerungen, aber wir ziehen doch den Getreidebau vor. Wir haben uns von der Richtigkeit dessen überzeugt. Erstens nämlich erzielen unsere Ackerbauer nicht den geringen Ertrag wie der Fellach, der nach einer veralteten Methode arbeitet. Unser Ertrag ist durch rationelle Bewirtschaftung auf das dreifache gestiegen. Wir rechnen zum Beispiel mit einem Durchschnittsertrag von 100 Kilo Weizen pro Dunam und wir haben in Nahalal zum Beispiel schon einen Durchschnittsertrag von 150 Kilo Weizen pro Dunam erzielt, das heißt doppelt so viel als Soskin annimmt. Aber trotzdem unser Ertrag viel größer ist als der nach Soskins Rechnung angenommene, verkaufen wir das Getreide nicht, da uns die Erfahrung lehrte, daß das Getreide, wenn es für die Fütterung von Haustieren, Geflügel, Vieh verwendet wird, einen dreimal so großen Ertrag abwirft, als wenn man es verkauft. Der Fellach, der Getreide baut, bringt den Weizen auf den Markt und verkauft ihn dort, aber wir machen es nicht wie der Fellach; wir verkaufen weder Weizen noch Gerste, sondern wenn wir schon etwas auf den Markt bringen, dann sind es die Haustiere und die von ihnen gelieferten Produkte. Wir verkaufen die Produkte der Haustiere, an die die wir zuerst die Feldprodukte verfüttern, und erzielen auf diese Weise einen dreimal größeren Ertrag, als wenn wir die Feldprodukte in ihrem Urzustände auf den Markt bringen würden. Was den Gemüsebau anbelangt, so wird uns auch dieser teurer zu stehen kommen als zum Beispiel den Japanern in Kalifornien. Wir haben von Kalifornien Berichte und Daten über die dort gezüchteten Tomaten erhalten. Tomatenbau ist eine der leichtesten Arbeiten, da sie nicht einmal Pflügen erfordert — ich 358