Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 368)
- Language
- German, English, Hebrew
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Berlin, Joffe liehen Arbeitern zu schaffen, die in der Lage wären, sieh von ihrer Arbeit selbst zu erhalten. Und die Erreichung dieses Zieles ist nicht weniger wichtig als die Ausbildung der neuen Einwanderer. Vor allem sollte der Moschaw sein bisher festgehaltenes Ziel auch weiter verfolgen, das in der Schaffung von Siedlungen besteht, die durch das Prinzip der selbständigen Arbeit wirtschaftlich unabhängig werden. Jetzt will ich zur Rede Soskins übergehen. Man hätte annehmen sollen, daß Herr Agronom Soskin diesmal, nachdem er schon vier Jahre im Lande war, mit einem viel bescheideneren Referat als vor vier Jahren kommen würde. Aber auch jetzt hat er kein detailliertes Budget für seine Methode als einen besonderen Versuch vorgelegt, sondern kommt mit einer unbegründeten Kritik und verlangt dringend, daß wir all das stehen lassen, was wir bis jetzt geschaffen haben. Argumente nützen nichts, und im Laufe der Debatte habe ich mich überzeugt, daß es um die Zeit schade ist. Ich will also jetzt nur eine allgemeine Schilderung der Lage im Lande geben, damit man sieht, daß wir, die landwirtschaftlichen Arbeiter in Palästina, uns nicht nur mit Getreidebau und Geflügelzucht beschäftigen, sondern auch mit Obst und Gemüse. Das Unglück ist eben nur darin zu finden, daß wir keinen Absatzmarkt für unser Gemüse haben. Zu der Jahreszeit, in der wir einen Absatzmarkt haben, erzielen wir ziemlich gute Preise. Aber die klimatischen Verhältnisse des Landes bringen es mit sich, daß wir den größten Teil des Jahres hindurch keinen Absatzmarkt haben. Gemüsearten, die in Europa hoch im Werte stehen, müssen wir einfach auf den Misthaufen werfen. Und noch eins. Wir beschäftigen uns schon seit einiger Zeit damit, einen Absatzmarkt für unser Gemüse zu finden. Unser „Hamaschbir" hat einen Versuch gemacht und einen Plan für die Organisierung des Gemüseversandes ins Ausland entworfen. Es nimmt mich Wunder, daß Soskin, da er schon im Lande wohnt, gar nicht bemerkt hat, daß schon heute eine Möglichkeit vorhanden ist, Gemüse ins Ausland zu schicken. Wenn er tatsächlich seinen ganzen Plan auf den Gemüseexport aufbaut, dann fragt es sich, wozu man wieder einen neuen Plan ausarbeiten soll? Alles auf einen neuen Plan zu setzen und all das, was wir bis jetzt taten und schufen, aufzugeben, ist doch verkehrt. Wenn es gelingt, die Verbindung mit dem Auslande herzustellen, können wir in den bestehenden Siedlungen die neuen Pläne verwirklichen und ins Ausland Gemüse liefern. Auch heute schon kann man auf diese Weise mit einer dichten Besiedlung beginnen. Warum aber soll man all das, was schon vorhanden ist, vernichten — anscheinend nur aus Unkenntnis dessen, was schon vorhanden ist — und neue Pläne schmieden? Ich verkenne nicht die Bedeutung der Selbstversorgung, der Schaffung einer Wirtschaft, die den Bauern im besondern und dem Volke, das im Lande wohnt, im allgemeinen alles Nötige liefert, 357