Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 370)
- Language
- German, English, Hebrew
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Joffe weiß nicht, ob Ihnen das bekannt ist —, und in Palästina wachsen in den meisten Teilen des Landes Tomaten auch nach der Regenzeit, ohne einen Tropfen Bewässerung, bis zur kommenden Regenzeit und manchmal auch später. Man braucht gar keine Bewässerung dazu. Und genau so wie wir in Palästina, so züchtet auch der Japaner in Kalifornien Tomaten, aber die japanische Arbeit ist billiger und die Entfernung von den Absatzmärkten geringer; also wird auch der Gemüsebau für uns teurer sein als für die Japaner in Kalifornien. Und wenn wir auf dem Gemüsemarkte werden konkurrieren wollen, dann werden wir auch Aegypten in Betracht ziehen müssen, da auch dort Gemüse gebaut wird. Dort kostet ein Arbeiter — dort gibt es keine Selbstarbeit — dort beträgt der Arbeitslohn drei Piaster pro Tag. Ich war in Aegypten und habe gesehen, ich habe auch von Dr. Ruppin, der diese Frage studiert hat, gehört, daß der Orient im allgemeinen und Aegypten insbesondere das für Gemüsebau besonders geeignete Land ist; und dort bekommt ein erwachsener Arbeiter drei Piaster pro Tag! Wir können von einem solchen Lohne nicht leben und deshalb ist auch der Gemüsebau in Palästina teuer. Soskin hat hervorgehoben, daß uns die Ansiedlung einer Familie sehr teuer zu stehen kommt. Nach seiner Rechnung kostet die Ansiedlung einer Familie einschließlich des Bodens ca. 1500 Pfund. Was die verschiedenen Abstufungen dieser Kosten, tausend, zwölfhundert oder fünfzehnhundert Pfund anlangt, werden wir jedenfalls mit Soskin nicht debattieren, da es sich um eine Frage handelt, in der auch wir verschiedener Meinung sind. Aber es ist interessant zu bemerken, daß Soskin jetzt, nach vier Jahren, den für eine Familie nötigen Boden ungefähr fünfmal vergrößert hat. Vor vier Jahren forderte er für eine Familie vier Dunam, heuer hat er schon zwanzig Dunam pro Familie eingestellt. Vor vier Jahren hat er mit dreihundert Pfund Ansiedlungskosten pro Familie gerechnet, heuer aber hat er gar keinen Kosten Voranschlag aufgestellt. Ich habe zwar seine Zahlen nachgeprüft und bin zum Resultate gekommen, daß die An- Siedlung einer Familie nach der Soskin-Methode zwar weniger Boden erfordert, nicht vier Dunam, aber doch nicht mehr, als er jetzt fordert, aber das Ganze wird vielleicht nicht weniger kosten als es uns bisher gekostet hat. Für uns gilt es, das Prinzip der Selbstversorgung, der Unabhängigkeit vom Außenmarkt, weiter beizubehalten, denn wir sind mit keinem der Nachbarländer, die mit billigen Arbeitskräften operieren, konkurrenzfähig. Es wurde von verschiedenen Rednern versucht, einen Gegensatz zwischen Moschaw und Kwuzah zu konstruieren, wobei man sich auf mein Buch „Die Gründung der Moschwe owdim" berief. Abgesehen davon, daß dieses Buch schon vor zehn Jahren gedanklich fertig war, muß ich jetzt wieder darauf hinweisen, daß der Unterschied nur in der Auffassung der Arbeit besteht. Heutzutage, wo alle Arbeiter Palästinas, ohne Unterschied, ob sie in der Kwuzah oder in 359