Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 365)
- Language
- German, English, Hebrew
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9. Sitzung: Palästinadebatte Forderung der Menschen nach Gerechtigkeit. Und wir Juden französischer Zunge bitten euch, uns einen Kredit zu geben voll freundschaftlichen Zutrauens. Seht zu, daß das Beste unserer Tradition, unserer Geschichte, unseres revolutionierenden Geistes nie fehle in dem Unterricht eurer Universität. Die französische Regierung, ich kann Sie dessen versichern, begrüßt Sie vom Herzen, Sie, die Arbeiter am großen Werke der geistigen jüdischen Renaissance. Laßt uns in euren Reihen einen Ehrenplatz frei; der Tag ist nicht fern, wo wir ihn einnehmen werden. (Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Herr Schrameck wird die Uebersetzung geben. (Rufe: Das ist nicht notwendig, wir haben es alle verstanden.) Dann gehen wir sofort zur zweiten Generaldebatte über. Das Wort hat Herr Berlin. Mitglied des Actions-Comites Rabbi Meyer Berlin (hebräisch): Geehrter Kongreß! Ich soll über die innern Fragen des Jischuw sprechen und ich will nicht über die Taten selbst — ob sie nun vollzogen wurden oder nicht — sprechen, sondern auch über die seelische Einstellung, die zu den Taten führt. Es hat jemand von dieser Tribüne aus gesagt, daß die Erziehungsarbeit die Hauptsache ist. Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Bitte die Ruhe im Saale herzustellen! Mitglied des A. C. M. Berlin: Aber wenn man von einem beschränkten Standpunkt ausgeht, so kann man überhaupt nichts leisten. Und wenn der Tat nicht der Gedanke vorangeht, dann kann man meiner Meinung nach auch den ersten Schritt in der Vollbringung nicht machen. Und der Gedanke, der uns vor allem beschäftigen soll, ist folgender: Was tun wir in Palästina? Bringen wir einfach tausende oder zehntausende jüdischer Familien nach Palästina oder bauen wir in Palästina eine jüdische Gemeinschaft, einen jüdischen Staat? Denn handelt es sich nur um die Ansiedlung von einzelnen Juden —- möge auch ihre Zahl an tausende und zehntausende heranreichen — dann wird kein jüdischer Staat und keine jüdische Gemeinschaft geschaffen. Wenn wir aber in Palästina nicht nur einzelne Juden ansiedeln wollen, sondern wenn wir daran gehen, dort eine jüdische Gemeinschaft zu schaffen, dann müssen wir eben an die Gemeinschaftsbedürfnisse, an den Besitz der Gemeinschaft denken. Wenn wir das betrachten, was bis jetzt in Palästina aufgebaut wurde, müssen wir zu unserem Bedauern erklären, daß der Gemeinschaftsbau noch nicht gegründet wurde und daß es dort noch nicht diejenigen Gemeinschaftsinstitutionen gibt, die in jeder jüdischen Gemeinschaft und Kehillah sein sollen. Genau wie es ein grundlegender zionistischer Grundsatz ist, daß wir bei jeder Arbeit und bei jeder Angelegenheit keine Tatsachen, sondern 354