Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 364)
- Language
- German, English, Hebrew
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Corcos Vorsitzender Vizepräsident Motzkin: Bevor wir mit der Debatte über die Palästinafrage beginnen, erteile ich das Wort Maitre Corcos z-u einer Begrüßungsansprache. Maitre Fernand Corcos (mit lebhaftem Beifall begrüßt — französisch): Meine zionistischen Freunde der französisch sprechenden Länder waren der Ansicht, daß es vielleicht gut wäre, wenn ich hier eine ganz kurze Erklärung abgehe. Herr Dr. Wise, dessen Ansprache Sie mit Beifall aufgenommen haben, hat Ihnen gesagt, daß er Wert darauf legt, zu Ihnen zu sprechen in der Sprache Wilsons und Lord Balfours. Ich meinerseits werde mir erlauben, mich in der Sprache eines Landes an Sie zu wenden, das für alle (einschließlich der Juden) die Bürger- und Menschenrechte proklamiert hat. Meine Herren! Die französisch sprechenden Juden kennen alle Schwierigkeiten, die die Schaffung der nationalen Heimstätte mit sich bringt, ich möchte sogar sagen, ohne im geringsten ironisch zu sein, daß sie bisher vielleicht besser die Schwierigkeiten als die Vorteile davon sahen. Aber eine große Tat scheint alle Schleier weggerissen und die meisten Befürchtungen zerstreut zu haben. Bevor das jüdische Nationalheim materiell vollkommen aufgebaut ist, ja bevor es noch sicher ist, daß es errichtet werden wird in dem Sinne, in dem wir es verstehen und in dem die Deklaration Balfours es verkündet hat, hat sich Herr Präsident Weizmann nebst seinen Kollegen in bewundernswerter Weise die „Imponderabilien" sichern wollen, die in der Welt eine große Sache sympathisch und siegreich machen. Er kam auf den Gedanken, vor der materiellen Basis dem jüdischen Nationalheim die geistige Grundlage zu geben. In sieben Jahren hat er auf dem Scopusberge die hebräische Universität errichtet und am 1. April hat er, vor den berufenen Vertretern von fünfzig Nationen, dieses Werk mit einer unvergeßlichen Feierlichkeit eröffnet. Jetzt haben wir alle Schwierigkeiten und Befürchtungen hinter uns. Um zu siegen, hat das Judentum sich zwei unbesiegbare Waffen geschaffen, den Geist und die Wissenschaft. Nichts konnte die Juden Frankreichs stärker berühren sowie die Juden französischer Sprache, die Kinder ihres Geistes sind. So kann niemand mehr befürchten, daß es sich in Palästina darum handelt, nur einen neuen Handwerkerladen oder ein neues Bauernhaus zu schaffen, indem auf diesem Boden, der von so vielen Träumen brennt, die Enttäuschung der Arbeit eines Proletariats erneuert würde, das nur befreit wäre von den gröbsten Verfolgungen des Antisemitismus. Nein, die Worte des Dichters treffen zu: „Ein neues Jerusalem beginnt am Horizont aufzutauchen, strahlend, hell leuchtend." Herr Oberrabbiner Ghajes hat Recht. Die hebräische Erneuerung ist nichts, wenn sie nicht zugleich ein neuer Funke ist aus dem großen Feuer der menschlichen Weisheit. Die Worte, die das jüdische Volk sprechen muß, werden ein Nichts sein, wenn sie nicht ein Echo sind der großen 23 353