Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 284)
- Language
- German, English, Hebrew
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Gesang, Romano unseren Forderungen wird vor allem die auf unbeschränkte Einwanderung sein müssen, unbeschränkt in dem Sinne, daß wir selbst es sein sollen, die die Einwanderung regeln und kontrollieren. Allerdings kann man derartige Forderungen nicht in der Sprache erheben, die Jabotinsky hier vorschlägt. Um eine Forderung England gegenüber verständlich zu machen, dürfen wir nicht die Sprache der Gewalt führen, sondern wir müssen jene Sprache anwenden, die die sittliche Berechtigung unserer Wünsche klarlegt und die Würde unserer Bewegung wahrt. Wir haben die Ueberzeugung, daß diese Sprache von unserer Exekutive gesprochen wurde und daß sie auch in Zukunft von ihr gesprochen werden wird. Wir müssen uns doch umsehen und die wahren Verhältnisse berücksichtigen. Wenn Sie das tun, werden Sie zu dem Resultat kommen, daß wireinen einzigartigen Fall in der W7elt darstellen und daß wir uns demgemäß zu verhalten haben. Nicht einmal eine Großmacht könnte sich erlauben, die wahren Machtverhältnisse vollständig unberücksichtigt zu lassen. Bezüglich der Erweiterung der Jewish Agency sind wir Zionisten von Bulgarien in einer Lage, die etwas verschieden von derjenigen aller andern Landsmannschaften ist. Ich kenne wenige Landsmannschaften, die diese Erweiterung mit Begeisterung aufnehmen. Wir dagegen sind mit dieser Erweiterung vollkommen einverstanden, obgleich wir mit der Opposition und mit Jabotinsky in dieser Beziehung in weitem Maß übereinstimmen. Wir sind mit der Opposition darin einig, daß die Zonistische Organisation es ist, die am richtigsten den Standpunkt des jüdischen Volkes gegenüber der Mandatarmacht vertreten kann. Wir können auch nicht vergessen, daß die großen jüdischen Organisationen, an die man sich jetzt wegen der Erweiterung der Agency wenden will, immer den Zionismus in schärfster Weise bekämpft haben. Wir können nicht vergessen, daß diese Vereine noch immer ihre Schulen halten, in denen sie dem Hebräischen geradezu feindselig gegenüberstehen. Wir können auch den Verrat in Paris nicht vergessen, der zur Zeit der Friedenskonferenz verübt wurde. Nun aber, meine Herren, ist die Erweiterung der Jewish Agency eine andere Frage. Im Mandat ist die Zionistische Organisation als Jewish Agency anerkannt. Die Frage ist jetzt die, daß wir heute unserem nur juristisch anerkannten Rechte eine substantielle Grundlage geben müssen. Wir wissen nicht, ob die politische Lage nach fünf, nach zehn, nach fünfzig Jahren so sein wird wie sie jetzt ist und ob wir vielleicht auch nur in zehn Jahren die Möglichkeit zu kolonisieren haben werden. Herr Jabotinsky weist auf die politische Gefahr hin, darauf, daß wir, wenn die politische Lage eine Gefahr mit sich bringt, zu einem Moment kommen können, wo wir uns auf unsere Partner in der Agency nicht verlassen können. Die Frage ist aber die, meine Herren: einerseits birgt die Jewish Agency eine Gefahr in sich, und das hat ja Weizmann selbst wieder- 18 273