Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 277)
- Language
- German, English, Hebrew
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7. Sitzung: Generaldebatte destens achtzig Prozent der hier Anwesenden hebräisch sprechen und verstehen. Meine Herren, die Eröffnung der hebräischen Universität war ein großes, herrliches und bedeutsames Ereignis. Warum hat aber Dr. Weizmann und seine Mitarbeiter bei der Eröffnung der Universität, auf die alle so stolz waren, unseren geliebten Herzl vergesen? Meine Herren! Jeder Jude, ob Zionist oder nicht, fühlt Ehrfurcht bei der Nennung des Namens Herzls; und bei der Universitätseröffnung wurde der Name nicht einmal genannt, warum das? Meine Herren! Wir sehen, daß das Budget für die Erziehung ungenügend ist, insbesondere, wenn man die täglich steigende Einwanderung in Betracht zieht. Die Erziehung ist das geistige nationale Rückgrat des jüdischen Volkes. Ohne hebräische Erziehung gibt es kein jüdisches Volk. Wir fordern und fragen zugleich die Exekutive und den Kongreß: Wer ist für diese Angelegenheit verantwortlich? Es ist wahr, daß unsere Mittel beschränkt sind, aber die Exekutive und der Kongreß müssen die Forderungen und die Bedürfnisse des Chinuch erfüllen. Es ist des jüdischen Volkes unwürdig, daß die Lehrer ihr Gehalt erst drei oder vier Monate nach dem Termin erhalten. Ein hungriger Lehrer kann nicht unterrichten, kann nicht aufbauend wirken. Man muß den Lehrern ihr Gehalt zur bestimmten Zeit auszahlen. Meine Herren, es hat hier Herr Farbstein gesprochen, als Vertreter des Misrachi, der ein sehr angesehener Delegierter ist. Er hat über die Chaluzim gesprochen. Ich glaube, daß man die Verdienste der Chaluzim nicht herabsetzen darf. Aber meiner Meinung nach hat er mit dem Worte „Kostkinder" nur sagen wollen, daß es sich hier um Leute handelt, die von der Zionistischen Exekutive durch Zuschüsse gefördert werden. Wenn er das sagen wollte, dann ist er im Rechte. Es ist wahr, wir fördern mit all unseren Kräften die Chaluzim, aber, meine Herren, die Chaluzim bauen doch die Straßen* auf denen Sie und die zahlreichen Touristen in Automobilen dahinsausen. Und wer leistet die schwere mühselige landwirtschaftliche Arbeit, meine Herren? Nur unsere Chaluzim! Aber wenn er mit dem Worte „Kostkinder4' sagen wollte, daß die Chaluzim verhätschelt werden, verwöhnt und untätig sind, dann ist es eine Niedertracht. Wissen Sie, meine Herren, daß viele Väter — vielleicht sitzen sie sogar hier in unserer Mitte — ihre Kinder davon zurückhielten, nach Palästina zu gehen, daß Chaluzim und Chaluzoth vom Hause davonlaufen mußten, um in Erez Israel, von Malaria und Typhus bedroht, Sümpfe zu trocknen und Felsen zu sprengen. (Zwischenrufe.) Vorsitzender Vizepräsident Dr. Klumel: Bitte nicht zu stören. 266