Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 272)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky Es gibt überhaupt keine Propaganda für den Zionismus auf dem Wege der nationalen Idee. Vielleicht befindet sich in der Weltorganisation ein Ressort, das sich mit zionistischer Propaganda befaßt. Was dieses Ressort leistet, habe ich nicht erfahren. Meine Herren, eine Propaganda, die immerfort und von Tag zu Tag auf Geld zielt, ist tunserer Idee fremd. Und was vielleicht noch wichtiger ist, sie kann nicht viel Geld einbringen. Das jüdische Volk kann und will sich an der Palästinaarbeit beteiligen, aber es muß immerwährend aufgeklärt und nicht immerwährend zum Zahlen aufgefordert werden. Von den jüdischen Massen und nicht nur von den Reichen können wir die Mittel für Palästina bekommen. Diese Erfahrung haben einige von uns in England schon gemacht. Sie haben die Mission des michtzionistischen Keren Hajessod ausgedehnt und die Arbeit der Landesföderation anvertraut. Damit hat die zionistische Agitation wieder angefangen, und die Geldpsychologie von vor zwei oder drei Jahren wird allmählich von ideellen Faktoren beeinflußt. Und wir ihaben die Erfahrung gemacht, daß Geld, viel Geld, sehr viel Geld auf diese Weise zu bekommen ist. Die Arbeit wächst schnell, im Zionismus ist wieder ein ideelles Streben zu erkennen. Unsere Freunde, die nicht in der Mitte der Arbeit stehen, fangn an, an unserer Sache wieder Interesse zu finden. Wir verlangen, daß zionistische Propaganda im Zeichen des zionistischen Ideals gemacht werde. Der gewöhnliche Jude versteht nicht, warum wir einen Fonds iür Landkauf und einen andern zum Landauf bau brauchen. In diesem Sinne bin auch ich ein gewöhnlicher Jude. Aber wenn wir diese Fonds haben wollen, wenn wir es nicht für zweckmäßig halten, sie zu vereinigen, dann müssen wir dafür sorgen, daß sie im Einklang miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Nun komme ich schließlich zum S c h e k e 1. Der Schekel muß vereinfacht und auf eine logische Basis gestellt werden. Die verschiedenen Schekalim, der Landesschekel, der Misrachischekel, der Hitachduth-Schekel, der Poale Zion-Schekel und so weiter machen uns das Leben sauer. In England haben wir zur Zeit zwei Arten von Landesschekeln, da außer der English Zionist Federation noch der Order of Ancient Maccabeans besteht. Diese Kompliziertheit ist nutzlos und ein Hindernis in unserer Arbeit. Der Schekel muß ein allgemeines Symbol der zionistischen Bewegung sein. Die Stärke der Parteien und Fraktionen soll durch die Kongreßwahlen bestimmt werden. Die Fraktionen, die gegen den einheitlichen Schekel sind, bezeugen damit ihre Schwäche und ihren Mangel an Organisationsgefühl. Der Schekel ist ein Zeichen der Zionisten, nicht eine Marke für religiöse oder soziale Differenzierungen. Darum sind wir in England zu dem Entschlüsse gekommen, daß endlich die Zeit gekommen ist, die ganze Frage des Schekels und der Kongreßwahl zu untersuchen. Viele Sektionen haben wir im Zionismus. Die sonderbarste Sektion aber ist diejenige, die behauptet, daß derjenige, der eineinhalb Schil- 261