Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1926-01-01 · 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925 · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
Date
1926-01-01
Page
Seite 260 (sequence 271)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3476254-3476282--5970-3482116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

7. Sitzung: Generaldebatte bauen, aber der Zionismus soll auch nicht den Charakter einer großen Geschäftssache bekommen. Wir werden daher gegen eine Verminderung der kooperativen Kolonisationsarbeit kämpfen. Es ist nun meine Aufgabe, auf alle diejenigen Mängel der Organisation hinzuweisen, die unserer Arbeit hinderlich sind. Mit Ausnahme einer ganz beschränkten Schar englischer Juden, die jüdischen Nationalismus für sich absolut ablehnen und leugnen,, haben wir in England fast keine Gegner. In orthodoxen Kreisen wie auch in den jüdischen Arbeiterkreisen stoßen wir auf fast keinen Widerstand. Die Kultusvereine und zahlreiche Meetings hören unsere Propagandareden gern, mit Aufmerksamkeit und Spannung an. Dennoch war der englische Zionismus vor zwei Jahren fast am Ruin. Warum? Weil der Zionismus in den letzten Jahren seine Ideale vergessen hatte und die zionistische Propaganda sich fast ausschließlich rein ökonomischer Tätigkeit gewidmet hat. Während des Krieges fingen wir an, größere Finanzaktionen für zionistische Zwecke zu beratschlagen. Wir sprachen von Millionen, und es gelang uns auch,, ganz Bedeutendes zu leisten. Aber allmählich versiegte die Quelle,, aus der wir schöpften, und wir fanden uns in einer Lage, wo wir zu entscheiden hatten zwischen zwei Auffassungen. Einige Zionisten sagten: Unsere Arbeit ist eine ideelle Volksarbeit, eine Arbeit, die eine bestimmte Erziehungsagitation verlangt. Und das Ziel werden wir erreichen, indem wir dem ganzen jüdischen Volk, den breiten jüdischen Massen Verständnis für unsere Ideale beibringen. Geld wird die unbedingte Folge solcher Erziehungsarbeit sein. Aber man antwortete uns: Das Volk ist schon erzogen. Die Balfour-Deklaration hat allen Juden nationales Bewußtsein gebracht. Wir müssen Geld haben, viel Geld, und sofort. Gewiß kann und wird man Millionen verlangen, aber die Massen haben keine Millionen. Dann gehen Sie doch zu den Reichen. Reiche Juden geben nicht gerne! Da begründeten wir einen großen Fond von Investitionen mit Dividenden- Reiche Juden werden vielleicht für Zionisten nicht geben wollen? Dann machen wir den Keren Hajessod auf, einen neutralen, nicht* zionistischen Fond. Aber die Organisation braucht Mittel für Propaganda und Politik; und der Kongreßschekel genügt nicht dazu* Dann kriegen wir einen goldenen Schekel. Der goldene Schekel nützt nicht. Also machen wir einen Parteifond. Der Keren Kajemeth braucht Geld, also machen wir einen Dunamfond. Die Arbeiter brauchen Mittel, also machen wir einen Arbeiterfond. So entstand ein Wirrsal in den Finanzaktionen, eine bittere Konkurrenz, eine Anhäufung von Sektionen und Revisionen, eine Kompliziertheit, eine Verwicklung, die noch immer existiert und großen Schaden verursacht. Wir, die englische Delegation, stellen an den Kongreß . zwei Forderungen: Man muß die zionistische Porpaganda wieder unter die Fahne des zionistischen Idealismus stellen und man muß unsere Arbeit einfacher und verständlicher machen. 260

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.