Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 270)
- Language
- German, English, Hebrew
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Brodetsky Der Agency-Frage darf ich nicht viel Zeit widmen. Wir englischen Zionisten stehen auf demselben Standpunkt wie vor zwei Jahren. Es ist unsere Pflicht, das jüdische Land unter die Obhut des ganzen jüdischen Volkes zu stellen. Einen ausschließlich zionistischen Charakter für die Agency zu beanspruchen, wäre gegen die Berechtigung unserer Bewegung, gegen das Wohl unseres Landes. Als Zionist bin ich treuer Anhänger meiner Partei. Aber wir sind nicht das ganze jüdische Volk. In Rußland, in Italien sehen wir Versuche, ein ganzes Volk von einer Partei beherrschen zu lassen. Das können wir uns nicht erlauben. Ich habe keine Angst vor den Nichtzionisten, die an der nächsten Budgetberatung teilnehmen werden, ich habe aber Angst, daß wir die günstige Gelegenheit, Palästina aufzubauen, versäumen. Schon haben wir Konkurrenzvorschläge, die den Aufbau Palästinas verdrängen sollen. Wir müssen unser Ziel auf der Basis einer alljüdischen gemeinsamen finanziellen und politischen Verantwortung erreichen. Die englische Delegation will der Exekutive volles Vertrauen schenken und verlangt vom Kongreß, daß er diese Frage endlich bereinige. Die englische Landsmannschaft nimmt an, daß es unsere Aufgabe ist, in allen Hinsichten und nach allen Richtungen die Einwanderung in Palästina zu fördern. Wir wollen deshalb der vierten A1 i j a h alle mögliche Hilfe bringen und allen Schichten des Volkes ermöglichen, Erez Israel zu ihrer Heimat zu machen. Es ist unsere Pflicht, dieser Einwanderung zu Hilfe zu kommen, sie zu regeln und die Regelung loyal durchzuführen. Wir sind auch der Meinung, daß nicht nur mittellose Chaluzim, sondern auch halbbemittelte Chaluzim bei der Zionistischen Organisation Unterstützung finden sollen. Aber all dieses kann nur unter der Bedingung angenommen werden, daß sie nicht der dritten Alijah schaden. Die vierte Alijah auf Kosten der Dritten zu stützen, wäre gegen die Stimmen der überwiegenden Mehrheit der englischen Zionisten. Für die allgemeine Judenheit der Welt und auch für die allgemeine Meinung europäischer und amerikanischer Zuschauer unserer Palästinaarbeit ist die landwirtschaftliche Kolonisation maßgebend. Die größte Bewunderung hat immer unsere Kolonisationsarbeit hervorgerufen. Diese Arbeit ist auch vom wirtschaftlichen und vom nationalen Standpunkt von ausschlaggebender Bedeutung. Sie ist der Grundstein unseres nationalen Heims. Gewiß müssen wir in Palästina mehr und mehr Juden haben. Aber Palästina muß nicht nur Juden, sondern auch ein jüdisches Aussehen haben. Die kooperativen Ansiedlungen und die Kommunen stellen einen Versuch dar, der allgemeines Interesse unter den Juden und unter den Nichtjuden hervorgerufen hat. Diesen Versuch jetzt zu verderben, diese Arbeit einzustellen, wäre ein Irrtum, der verhängnisvolle Ergebnisse mit sich bringen könnte, eine Reaktion, die unserer Arbeit Schaden verursacht. Wir wollen den Zionismus nicht auf Wohltätigkeit auf- 17* 259