Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 265)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476282--5964-3482110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6. Sitzung: Generaldebatte manche von uns; aber die ganze Zionistische Organisation und die gesamte jüdische Welt wird ihn zu den besten Juden zählen seit der Schaffung der neuzeitlichen jüdischen Bewegung. Man hat seine Stellung systematisch untergraben. Heute hält man Weizmann als das ärgste seinen „Samuelismus" vor. Man hat zwei Jahre, drei Jahre in Palästina seine Autorität untergraben und jetzt will man aus seinem Abgang einen Strick drehen für diejenigen, die ihn vielleicht in der ganzen Periode verteidigt haben. Das geht nicht an! Solche Politik darf man nicht machen. Nun gehe ich weiter. Ueber einen Punkt möchte ich noch etwas sagen. Man kommt zu uns mit Mathematik und Rechnungen. Hoher Kongreß, ich war nie in meinem Leben gegen Mathematik, als Schüler war ich sogar ein guter Mathematiker, ich kann Ihnen meine Zeugnisse zeigen. Aber ich möchte Sie doch warnen. Die Mathematik in den Händen eines Nichtmathematikers ist eine sehr gefährliche Sache. Man kann doch nicht Geschichte nach Berechnungen machen. Man kann nicht ausrechnen, wie lange es dauern wird, bis wir die Majorität im Lande haben werden. Die Schöpfung einer euen Welt hat ihre eigenen Regeln. Auf eine solche Einwanderung waren wir nicht vorbereitet, wir können aber niemanden beschuldigen. Nicht nur Weizmann war nicht vorbereitet, die ganze Zionistische Organisation war nicht vorbereitet. Es hat niemand von einer solchen Einwanderung nach Palästina gesprochen. Unsere Kräfte, unsere Mittel stehen nicht im proportionalen Verhältnis zu unserer Einwanderung. Vielleicht beginnt mit diesen neuen Bedingungen auch ein neuer Schwung unserer Arbeit, vielleicht wird auch die Möglichkeit unserer Leistung damit steigen. Hoher Kongreß! Das ist die ganze Frage, diese praktische Frage. Wenn wir statt eines Budgets von 550.000 Pfund ein Budget von 750.000 Pfund schaffen werden, werden wir den ganzen Kongreß befriedigen. Nun werden Sie fragen, woher wir das nehmen? Ja, da liegt der Schwerpunkt. Warum reden Sie nicht von der Frage, wie man das Geld schaffen soll? Ist nicht der Kongreß der geeignete Platz dafür? Warum melden sich nicht die neuen Kräfte und sagen nicht: Wir stellen uns zur Verfügung, man hat das nicht getan und hat jenem nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt? Es ist nicht wahr, wenn Jabotinsky behauptet, daß wir an der Grenze unserer Möglichkeiten angelangt sind. Nach meiner Schätzung haben wir in der ganzen Welt nur zehn Prozent der Juden erreicht und nicht mehr; und ich sage, es ist keine gute Politik und keine gute Taktik, wenn er sagt: auf dich kann ich noch einen Einfluß haben, auf die andern nicht. Es ist doch dieselbe Weisheit, die da sinngemäß sagt: Ich werde die Tore schließen, es kommt doch niemand herein. Ist es denn nicht notwendig, die Tore zu öffnen, so weit es geht? Wir müssen einen Weg haben, um die latenten Kräfte des jüdischen Vol- 254