Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 264)
- Language
- German, English, Hebrew
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Levin Alijah ist nur vergleichbar dem Verhältnis zwischen der Wurzel eines Baumes und den Zweigen eines Baumes. (Beifall.) Ohne die Chaluzim hätten wir keine vierte Alijah gehabt. (Beifall.) Sie werden es ja verstehen, meine Damen und Herren, die Vorstellung ist vielleicht diese: Heute haben sich die Zweige, die Aeste weit ausgdehnt; aber es wäre doch lächerlich, wenn heute die Aeste gegen die Wurzel revoltieren wollten! Sie müssen sich vorstellen: die Aeste, die Zweige sind doch der Erfolg, das Resultat, und man kann doch nicht das Resultat in einen Gegensatz zu den Voraussetzungen stellen. Es ist eine Lächerlichkeit, wenn man jetzt gegen die Chaluzim, die Seele unseres Aufbauwerkes, etwas vorbringen will. Es gibt für uns nur einen Weg: Wir haben für unsere Versuche Geld zugelegt und wir werden auch weiter Geld zulegen müssen. Es wäre aber unvernünftig und es wäre unsinnig, wenn jetzt diese Versuche abgebrochen würden. Ich sage, wir haben schon die ersten Versuche bezahlt und wir müssen alle Kräfte anwenden, daß man auch den Weg findet, wie man mit weniger Mitteln, als heute noch erforderlich sind, zweckmäßige Arbeit leistet. Aber man kann nicht die Arbeit liquidieren und alle bisher erzielten Erfolge wieder preisgeben; das wäre unpolitisch von jedem Standpunkte. Auf der andern Seite, gerade wenn wir die Beziehungen feststellen zwischen der vierten Alijah und den Chaluzim, zwischen den Zweigen und den Wurzeln, so ist es doch eine Selbstverständlichkeit, daß wir für die Zweige auch sorgen müssen. Aber es muß die Proportion gewahrt werden. Wir wissen, was ein Fundament in einem Hause kostet und wieviel die Mauer, wir wissen, daß es bei einem Hause gerade auf das Fundament ankommt. Wir wissen, daß das Fundament massiver gebaut werden muß, und darüber werden wir uns wohl ohne Schwierigkeit einigen. Jetzt möchte ich ein paar Worte über die politische Tätigkeit sagen. Hoher Kongreß! Ich glaube kaum, daß die zionistische Welt mit der Leitung in allen Punkten einverstanden ist, und doch erlaube ich mir, ein paar Worte über die politische Tätigkeit zu reden. Ich war immer ein ausgesprochener Anhänger von Herbert Samuel und nicht nur ein ausgesprochener Anhänger Samuels als Mensch, der meine volle Sympathie hatte, sondern ein ausgesprochener Anhänger seiner arabischen Politik, ich war ein ausgesprochener Anhänger beinahe seiner gesamten Politik und bin es bis auf den heutigen Tag. Wenn man mir zum Beispiel heute die Wahl gelassen hätte, den High Commissioner zu bestimmen, hätte man dieses Recht heute diesem Kongreß gegeben: ich hätte mich bedankt. Die Selbstregierung ist vielleicht die schwerste aller Künste, und Samuel ist sicher ein Experte dafür. Er hat Ruhe geschaffen, er hat uns nicht benachteiligt. Vielleicht hat er eine andere Auffassung über den ganzen Aufbau als 253