Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 258)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky Vorsitzender Vizepräsident Meyer Berlin: Meine Bannen tumd Herren, ich bdtttle mm Ruhe! Delegierter Jabotinsky (fortfahrend): Hoher Kongreß! Daß dies die Lage ist, daß die Möglichkeiten der ruhigen Arbeit der vorigen drei Jahre nur für eine Zeit ohne Komplikationen gilt, das kann jeder in England, ein jeder außerhalb dieses Kongresses und ein jeder in Palästina fühlen. Und besonders, wenn wir unsere notwendigen Forderungen aufstellen, vor allem diejenige der Freiheit der Immigration, und wenn die Regierung uns abhalten will, etwas zu tun, dann steigert sie doch wirklich die Möglichkeiten von Komplikationen. Was immer sie will, will die Regierung doch Ruhe im Lande, sie hat ja die Verantwortung dafür. Und sie sagt uns: „Wir können diesen unseren Apparat in Palästina nicht vergrößern, wir können es nicht, weil das englische Volk es nicht will. Sie müssen sich also damit begnügen, wir können unter diesen schutzlosen Bedingungen — und das ist doch die WTahrheit — die jüdische Immigration nicht freigeben.1' Darum stellen wir an die ganze jüdische Oeffentlichkeit und auch an die jüdische Jugend die Frage: Was antwortet man darauf, wenn man eine positive Antwort geben kann? Diese einzige positive Antwort ist diese: Wir verlangen von der Mandatarmacht Verantwortung. Wir verlangen von ihr keine Opfer an Geld und keine Opfer an Menschen. Die Ruhe in Palästina zu sichern ist Englands Pflicht. Wenn England, um diese Pflicht (Zwischenrufe) in vollem Maße zu erfüllen keine Menschen hat, dann ist es unsere Pflicht, für die Menschen zu sorgen. (Beifall, zahlreiche Zwischenrufe.) Man hat hier gefragt und auch außerhalb dieses Saales hat man oft gefragt: Woher nehmt ihr die Macht, die englische Regierung zu zwingen? Ich weiß nicht, warum ich in der jüdischen Welt als Feind der englischen Regierung, als Gegner der englischen Regierung gelte. Ich bin kein Freund, kein Feind, bloß ein Beobachter, der vielleicht von diesem Volke mit einer gewissen Kenntnis sprechen kann. Als solcher, und nicht als begeisterter „Admirer" stelle ich in Abrede, daß man dieses Kulturvolk England oder eine englische Regierung nur dann überzeugen kann, wenn man die Macht besitzt. Das ist nicht wahr! (Beifall.) Herzls Einstellung war diejenige, die wir heute teilen. Herzl fragte man auch: Wo ist deine Macht? Du willst Paläsina zu einem Judenstaat machen, aber wo ist deine Autorität? Was wird jener, was dieser dazu sagen? Herzls Einstellung war doch diese: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich A und B bekehre, weil man Leute nicht bekehrt, weil man Parteien nicht bekehrt. Aber die Welt ist keine Partei. Die Welt ist eine Richterwelt mit einer Richterpsychologie. Die Welt kann man bekehren, wenn wir Vernünftiges verlangen." Und jetzt frage ich Sie: Ist es vernünftig, was wir verlangen? Wir verlangen die vollständige Mög- 247