Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 257)
- Language
- German, English, Hebrew
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6. Sitzung: Generaldebatte der Gesetzgebung, ganz unabhängig von der augenblicklichen Zahl ihrer Angehörigen im Lande. Und wir glauben, daß es eine Aufgabe der zionistischen Bewegung gewesen wäre, gegen diese Gefahr zu protestieren. Und es ist eine Gefahr, sogar nach der Meinung Herbert Samuels. Vor der Mandatskommission hat er es zugestanden. Man kann, sagte er, in Palästina doch kein Parlament gründen und verlangen, daß es über die allgemeine Politik und die Einwanderung entscheidet, weil die Araber heute noch gegen die jüdische Immigration und die Balfour-Deklaration sind. Und wenn es eine Gefahr gibt, und wenn die Regierung das selbst zugibt, müßten wir uns dagegen rechtzeitig schützen. Ich stelle nicht in Abrede, ich bedaure es mit tiefer Besorgnis, daß wir selbst etwas getan haben, was unsere Position in diesem notwendigen Punkte geschwächt hat. Wir haben nämlich höchst offiziell der ganzen Welt erklärt, daß schon Frieden ist. „Schalom, Schalom weejn Schalom!" Eines Tages wird sich die arabische Welt mit uns versöhnen, aber heute ist das nur ein Traum und wir dürfen der Welt die Wahrheit nicht verbergen. Und damit komme ich zu der Frage, die uns am meisten von allen mit den tiefsten Besorgnissen erfüllt. Der Schalom ist noch nicht da. Und vielleicht werden es gerade die Delegierten und Gäste des 14. Kongresses verstehen, daß es nicht immer genug ist, imstande zu sein, der Bevölkerung zu sagen: Ich komme doch hierher, nicht um dir Schaden zu bringen, ich komme doch nur, um dir auch Vorteile zu bringen. Wir haben gesehen, daß das nicht immer genügt, wenn man sich auch nur für ein paar Tage bemerkbar machen will. Schalom ist noch nicht in Palästina, und darum stehen wir besorgt vor der Frage der Sicherheit, in dem einfachsten Sinne des Wortes. Mit hundert und mehr Angriffspunkten im Lande, möglichen Angriffspunkten, ist der offizielle Apparat der englischen Regierung für die Sicherung der Ruhe auf eine Einrichtung gegründet worden, die eine positive Gefahr im Lande bedeutet. Und es tut mir leid, daß ernste Leute, die doch jeden Juden in Palästina als Bruder, Schwester, Tochter, Sohn betrachten sollen, daß die aufstehen und ein Argument benützen, das kein Argument ist. Sie sagen: „Wir haben doch drei Jahre Ruhe in Palästina.'4 Ich stamme aus einem Lande, wo wir drei Jahre Ruhe hatten, fünf Jahre Ruhe, zwanzig Jahre Ruhe hatten, und dann erst kam der Pogrom. Wenn man in einem Lande lebt, wo Wühlarbeit am Werke ist, Agitation von allen Seiten und Aufstände im ganzen Orient, da sagst du, hoher Kongreß, nichts, um die dauernde Ruhe des Landes zu sichern. (Stürmische Pfuirufe, Lärm, Zwischenruf Dr. Arlosoroff: „Sie haben doch Feldmarschall Plumer dort, nicht Samuel! Beruhigen Sie sich also doch!) 246