Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 254)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky Präsident Nahum Sokolow: Ich bitte den Kongreß, sich z.u beruhigen. Der Kongreß k«t nicht dazu da, Dinge anzuhören, mit denen man einverstanden ist, der Kongreß ist auch dazu verpflichtet, ruhig Dinge anzuhören, mit denen anan nicht eiav erstanden ist (Beifall) Mitglied des A. C. Dr. Arlosoroff: Herr Präsidentt., ich bitte ums Wort! Vorsitzender Vizepräsident Meyer Berlin: Sie bekommen es, aber «zuerst muß Ruhe sein. Mitglied des A. C. Dr. Arlosoroff: Chawerim. . . (Die weiteren Worte des Redners gehen im allgemeinen Lärm unter.) Delegierter R. Lichtheim: Wenn Sie nicht ruhig sind, wird Sie der Kongreß nicht mehr anhören (fortdauernder Lärm). Präsident Nahum Sokolow (übernimmt den Vorsitz): Werter Kongreß! Es isft zuweilen jedem von uns schwer, die Aeußerung seiner Empfindungen zu unterdrücken, aber dazu muß man die Kraft haben. Wir sind bei sehr ernsten Fragen angelangt, .und die Rede unseres Freundes Jabotinsky wurde mit Ungeduld erwartet. (Zwischenrufe, Lärm.) Meine Herren — Herr Mereminski, hören Sie imiT doch zu, widersprechen Sie nicht, ich halbe nur die Wahrheit gesagt, -daß der Vortrag des Herrn Jabofldnsky mit Spannung erwartet wurde. Ich habe ihn selbst mit Spannung erwartet. (Zwischenrufe) und ich will ihm zuhören (Zwischenrufe). Meine Herren! Es handelt sich in diesem Moment um die Würde des Kongresses (Zwischenruf: Die auch vom Vorsitzenden beachtet werden muß), die eine allgemeine Angelegenheit ist für alle Anwesenden, für alle Parteien. Das ist feeame Parteifrage. Die Würde des Kongresses moiß von jedem Kongreßbesmcher gewahrt werden. Die Würde des Kongresses erfordert es, daß die Verhandlungen geschäftisanäßig vor sich gehen, und sie sind geschäftsmäßig vor sich gegangen. (Zwischenrufe.) Meine Herren! Der Redner ersucht um eine längere Zeit für seine Rede. Der Kongreß ist befragt worden, man zweifelt das Ergebnis der Abstimmjung an, wir werden die Abstimmung wiederholen, und zwar in aller Ruhe. Aber ich bitte Sie, keine Geschäftsordttungsdebatte zw verlangen. Ich bitte auch die Verteidiger Jabotinskys, sich nicht au beunruhigen (Zwischenrufe). Wir wollen den Willen des Komgresses durch die Abstimmung zum Ausdruck bringen. Es handelt sdch nicht um Ihr Vertrauen oder um Ideen, sondern um eine reine Form. Herr Jabotinsky hat selbst den Antrag gestellt — Delegierter Jabotinsky: Ja. Vorsitzender Präsident Sokolow: — den Antrag gestteilt, dem Redner noch eine halbe Stunde zur Beendigung seünes Vortrages zu geben. Wer dafür ist, hebe die Hand! Mitglied des A. G. Dr. Arlosoroff: Ich bitte um das Wort zur Abstimmung (Widerspruch, Rufe: Während der Abstimmung gibt es kein Wort!). Vergewaltigung! Ich habe zur Abstimmung um das Wort gebeten! Vorsitzender Präsident Sokolow: Ich bitte nur die Delegierten abzustimmen! Geehrter Kongreß, wer ist dagegen? (Nach einer Pause:) Es ist die Minorität (Stürmischer Beifall im Saal und auf der Galerie, heftige Zwischenrufe, andauernde Unruhe). Mitglied des A. C. Dr. Arlosoroff (auf die Präsidententribüne stürmend): Sie haben kein Recht gehabt, mir zur Abstimmung nicht das Wert zu geben! (Großer Lärm, Roif: „Die Primadonna soll im Theater auftreten, nicht hier!" Stürmische Zwischenrufe, andauernder 'Lärm.) 16* 243