Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 252)
- Language
- German, English, Hebrew
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Jabotinsky in Palästina große Flächen, die nicht bebaut sind, die aber anbaufähig sind. Alle diese Böden müssen eine Bodenreserve bilden, die von dem Staate enteignet ist. (Zwischenrufe, Bewegung links.) Landreformen dieser Art werden heute in ungefähr 22 Ländern Europas durchgeführt, werden durchgeführt von Parlamenten, die meistenteils keine sozialistischen und keine kommunistischen sind. Landreformen werden durchgeführt, die noch weiter gehen, weil man, zum Beispiel in der Tschechoslowakei, nicht nur teere unbebaute Latifundien, sondern gerade hochentwickelte kulturvolle Rittergüter enteignet und parzelliert. Es entspricht dem rechtlichen Gewissen der modernen Welt, daß man, wenn es von einer Seite einen Land h u n g e r und auf der andern Seite unbebaute Ländereien gibt, einen vernünftigen Ausgleich schafft. Und insbesondere entspricht es dem islamischen, dem koranischen Rechte. Herbert Samuel hat in Genf vor der Mandatskommission ein türkisches Gesetz zitiert, nach welchem jedes Stück unbebauten Bodens nach drei Jahren Brachliegens automatisch an die Regierung fällt, und Samuel sagte, er halte es für ein ausgezeichnetes Gesetz. Leider wurde dieses Gesetz in Palästina noch nie angewendet. Aber wir fragen, wenn es eine Notwendigkeit ist — auf einem andern Wege geht doch die Kolonisation nicht, mit dem freien Kaufe — wenn es dem Rechtsbewußtsein der europäischen Welt und auf der dritten Seite den religiösen -Anschauungen des Orients entspricht, dann ist es vielleicht der Weg, auf welchem man die einzig mögliche Lösung suchen muß, um die Grundlage zu schaffen für eine landwirtschaftliche Kolonisation, die imstande ist, nicht dreißig und nicht dreihundert Familien pro Jahr, sondern einen großen und beträchtlichen Prozentsatz der notwendigen 40.000köpfigen Immigration jährlich zu absorbieren. Und wenn Sie zu der Frage der Finanzen kommen und zu der finanziellen Frage der Zionistischen Organisation, so kann ich mich wieder auf Herrn Ruppin stützen. Herr Ruppin, der bei uns als kein Träumer gilt, hat auch von einer Anleihe mit Völkerbundgarantien gesprochen. Wie wir wissen, wurde davon auch an der Wiege des Keren Hajessod gesprochen, aber der Plan scheiterte damals an der Tatsache, daß man keine Sicherheiten hatte. Doktor Ruppin sucht eine Sicherheit auf einem Wege, von dem ich bezweifeln muß, daß Geschäftsleute das Ergebnis irgendwann als eine Sicherheit anerkennen werden. (Zwischenrufe: „Er soll aufhören", „Dummheiten1'.) Die Einkünfte (Schlußrufe) des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, die wir als eine ganz ernsthafte Sache betrachten, werden leider in der Außenwelt, besonders von den Kaufleuten, von den sogenannten Business-men der großen Finanzwelt wahrscheinlich nur als ein Wohltätigkeitsfonds betrachtet, und ich bezweifle, ob man sie irgendwann und irgendwo als eine Sicherheit betrachten wird. Aber es gibt eine Sicherheit für eine Anleihe, das 16 241