Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 249)
- Language
- German, English, Hebrew
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6. Sitzung: Generaldebatte wird in der Stadt absorbiert. Was das bedeutet, scheint mir auch bei uns nicht allen klar zu sein. Um die Bevölkerung Palästinas um einen so großen Prozentsatz jahrein, jahraus zunehmen zu lassen, muß man doch die Berechtigung dieses Zuwachses in der Steigerung, in der großen Steigerung der Produktion in Industrie, Gewerbe und Handel schaffen. Und mit welchen Ressourcen? Für welchen Absatzmarkt? Wir können uns doch nicht freuen, wenn wir sehen, daß man in Palästina eine Fabrik schafft. Denn eine Fabrik ist doch nicht begründe,t wenn man sie eröffnet. Die Fabrik ist begründet, wenn sie ihre Ware verkauft hat. Da ist Tantura, das ist doch ein lebendiges Exempel, einer der frühesten Versuche der palästinensischen Industrie, die Rothschildsche Glasfabrik; dort steht sie, in Tantura, sie wurde eröffnet, aber sie wurde nicht begründet. Und wir fragen: diese Frage des Absatzes, die doch die erste Frage der Kolonisation ist, habt ihr etwas getan, um sie zu lösen? Habt ihr daran gedacht, sie zu lösen? Hier hörte ich von Dr. Halpern endlich das Wort Schutzzoll, Protektionismus. Aber in diesem Falle handelt es sich doch, wenn man schon von Protektionismus spricht, um einen außerordentlichen Protektionismus, es handelt sich doch um ein Land, wo überhaupt der innere Markt ein begrenzter ist. Ich sage nicht, er ist nichts oder ist Null. Palästina kauft doch im Ausland, ungefähr fünf Millionen Pfund zahlt es dem Ausland. Palästina kann etwas kaufen. Der innere Markt ist nicht groß, aber die Industrie kann auf diesem inneren Markt existieren. Aber wie kann die jüdische Industrie, wie kann sie der Konkurrenz entgegenstehen, der Konkurrenz der europäischen Länder unter andern Bedingungen, dieser Konkurrenz, die hinter sich die Tradition von Jahrhunderten hat? Wo die Juden in Palästina doch die Gewohnheit der fremden Waren haben! Wie kann sie ohne staatliche Beihilfe, ohne ein intensiveres System, ein Schutzsystem, ein Protektionssystem bestehen? Aber man spricht von den „Nebenländern11. Die Nebenländer sind vielleicht heute noch ein begrenztes Feld. Sie werden selbstverständlich weiter mehr und mehr zu absorbieren imstande sein. Aber um im Auslande den Krieg zu führen, die Konkurrenz gegen die europäische Ware aufzunehmen, gibt es doch Mittel, die in allen Büchern der Finanzwissenschaft stehen, die wir nicht entdecken müssen, die vielleicht Ausfuhrprämie heißen, die andere Namen haben, aber die alle von dem Staate abhängig sind. Das Problem der städtischen Ansiedlung Palästinas ist ein politisches Problem. Doch muß man sagen: führen wir auch Schutzzölle ein, führen wir diese Ausfuhrprämie ein, schaffen wir ein vollständiges System des Protektionismus, mit der besten Hilfe der Regierung, auch dann muß man die Optimisten warnend darauf hinweisen, daß Palästina auch dann nicht imstande sein wird, einen solchen Zuwachs der 238