Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 246)
- Language
- German, English, Hebrew
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Fischer möchte man der Jewish Agency einen provisorischen Charakter geben, davor möchte ich warnen. Wenn wir ein Provisorium einführen, so werden wir dieser Sache gleich den Keim der Vernichtung mit auf den Weg geben. Wir dürfen den Juden gegenüber, deren Arbeit, deren Mitarbeit wir verlangen, kein Mißtrauen zeigen. Im Gegenteil, wir müssen ihnen Vertrauen entgegenbringen und ihr Vertrauen stärken. Der Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Jewish Agency kann nur hinausgeschoben werden, bis die anderen einen gewissen Grad von Stärke erreicht haben. Es will mir scheinen, daß wir bei allen Fehlern, die die Konzeption der Agency hat, mit diesen Leuten jedenfalls viel eher den Rest der Judenheit werden zu uns herüberführen können als ohne sie. Jetzt nur noch ein Wort, meine Herren, über Organisation. Allgemein wird heute betont, daß die Organisation einer Umgestaltung bedarf. Nach wie vor glaube ich, daß eingehende Vorstudien notwendig sind, denn die Reform muß gründlich sein. Ich hätte sehr gerne eine ganze halbe Stunde dieser Frage gewidmet, es ist mir aber, wie Sie wissen, nicht möglich, ich will deshalb bloß einige Punkte hervorheben. Das Fraktionssystem —- ich spreche nicht von der Idee der Fraktion — muß bei uns von Grund auf geändert werden oder wir werden eines Tages hier im Saale bloß rechts und links sehen und dann werden Sie was erleben! Der wahre Träger der zionistischen Arbeit und des Zionismus überhaupt, behaupte ich, ist die Mitte und nicht die zwei Flügel, nicht weil die zwei Flügel nicht auch zionistisch wären, sondern weil sie auch andere Interessen haben, die bei ihnen sehr oft sogar primär sind, während die zionistischen sekundär sind. Ich hoffe, es gibt viele unter der Linken, die wissen, daß ich alle Sympathien der jüdischen Arbeit entgegenbringe, aber die Methoden, welche unsere Freunde von der Linken anwenden, sind schlecht. Sie wenden Methoden an, die darauf hinzielen, uns arideren — wie soll ich es nennen? —- die Faust fühlen zu lassen. Und das wollen wir nicht ertragen, wir wollen nicht, daß man uns Gewalt antut. (Beifall.) Meine Herren, hoher Kongreß, ich muß schließen und kann mich nicht mehr in Einzelheiten einlassen, trotzdem es noch eine sehr wichtige Frage zu behandeln gibt. In der Verwaltung Palästinas und in unserer ganzen finanziellen Verwaltung muß eine gründliche Aenderung eintreten. Das sage ich, trotzdem ich alle Schwierigkeiten verstehe. Alles Ideale und Schöne, das Herr Dr. Thon hier zur Verteidigung unserer unökonomischen Arbeit angeführt hat, wird eines Tages unter dem eisernen Druck der Wirklichkeit zerschellen. Hier gibt es keine schönen Worte, Herr Dr. Thon. Zwei mal zwei bleibt vier, daran ist nichts zu ändern. Ich hoffe, daß der 15. Kongreß in dieser Beziehung einen neuen Weg beschreiten wird. Getragen muß die ganze Sache sein durch unsere tiefe Begeisterung. Handeln müssen wir vernünftig, nach planvollem System. (Lebhafter Beifall.) 235