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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1926-01-01 · 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925 · p. Seite 234

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
Date
1926-01-01
Page
Seite 234 (sequence 245)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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6. Sitzung: Generaldebatte Politik auf Tatsachen aufbaut, so, glaube ich, sind das Tatsachen, die uns beweisen, daß uns der feste Boden fehlt. Ich will nicht zum Ueberfluß noch Alles aufzählen was wir der palästinensischen Regierung vorzuwerfen haben. Wir verstehen, das alles geschieht, um mit den Arabern in Frieden zu leben. Niemand von uns ist dagegen, jeder will mit den Arabern friedlich und brüderlich zusammenleben. Aber nicht weil wir dem Lande Palästina nützen wollen, gehen wir nach Palästina unter den schwierigsten Verhältnissen, wie sie hier durch Halpern, Ruppin und Arlosoroff geschildert worden sind, sondern weil es das einzige Land in der Welt ist, auf das wir ein Recht haben! (Beifall.) Unser ganzes Gebäude von Tatsachen verliert seine Grundlage, wenn wir von unserem Rechtsprinzip abweichen. Zionismus bedeutet die vollständige Anerkennung dieses Rechtes, auf das wir niemals und in keiner Lage Verzicht leisten. Sonst könnten wir ja auch gezwungen sein, uns mit der Tatsache des Galuth abzufinden. Zionismus bedeutet, daß wir Prinzipien, die im Widerspruch mit unserem Rechte sind, zurückweisen. Zionismus ist die Verwerfung der Anschauung „Apres moi le deluge'1; wir leben nicht bloß im tatsächlichen Heute, wir sind ein Stück Vergangenheit und ein Stück Zukunft. Die großen Führer der französischen Revolution haben es begriffen, daß ihr so gewaltiges Werk der rechtlichen Grundlage bedarf, und sie schufen sich sie in der unsterblichen „Deklaration des droits de Fhomme". Keiner hat wie Napoleon Tatsachen geschaffen und auf Sankt Helena ruft er aus: „Ach wäre ich doch bloß mein Enkel gewesen." Ihm hatte die rechtliche Grundlage gefehlt. Ich fühle Ihren Einwand: Reiche sind zusammengestürzt, trotzdem sie auf legaler Basis fußten. Aber auch hier gab es nicht bloß Unfähigkeit und Fehler in der Tagespolitik, auch hier liegen die Ursachen tiefer. Tatsachen sind nicht beständig. Sie ändern sich heute, sie ändern sich nächstes Jahr, sie ändern sich in einem Jahrhundert Beständiger als alle Tatsachen sind die Prinzipien, die die Welt regieren. Von diesem Standpunkte aus müssen wir an die britische Regierung herantreten und auf unserem elementaren Rechte bestehen. Ich zweifle nicht daran, daß die Engländer unseren Standpunkt sehr wohl anerkennen werden. Ich zweifle auch nicht daran, daß unser Standpunkt von allen rechtlich denkenden Menschen in der ganzen Welt gebilligt wird. Meine Herren, ich will nicht von hier abtreten, ohne ein Wort über die Jewish Agency gesagt zu haben. Ich habe auf dem vorigen Kongreß die Absetzung der Frage der Jewish Agency von der Tagesordnung verlangt, weil die Lage im Judentum noch nicht reif dafür sei. Der Kongreß aber hat wider mich beschlossen, die Verhandlungen weiter zu führen. Es ist uns heute nicht möglich, diese Verhandlungen, die — im Gegensatz zu den politischen — im Einverständnis mit dem Kongreß geführt worden sind, ohne weiteres ad acta zu legen und zu erklären: Wir wollen von der Jewish Agency nichts wissen. Dr. Soloweitschik hat in bemerkenswerter Weise alles Material gegen die Agency zusammengetragen. Alle Argumente, die gegen die Agency angeführt werden, enthalten viel Wahres. Bloß dieses eine Argument, das das entscheidende ist, können alle diese Argumente nicht aus der Welt schaffen: Wir sind leider wirklich allein zu schwach, die ungeheure Aufgabe in Palästina zu lösen. Jetzt 234

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