Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 242)
- Language
- German, English, Hebrew
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Thon, Fischer cherweise ohne Reserven arbeiten, ich spreche auch von einem Reservefonds in der zionistischen Politik. Ich konstatiere mit Freude, daß dieser Kongreß sich dem völkerrechtlichen Zionismus allmählich wieder nähert, daß der völkerrechtliche Zionismus wieder in den Vordergrund getreten ist. Als ich hier in Wien eintraf, nahm ich die erste Nummer der Kongreßzeitung in die Hand und da habe ich mit Befriedigung an erster Stelle einen Artikel von Herrn Sokolow gelesen: „Zurück zu Herzl!" Und aus der Eröffnungsrede des Präsidenten Weizmann möchte ich in demselben Sinne folgende Stellen hervorheben: „Wir bezweifeln nicht, daß die Mandatarmacht durch eine großzügige Interpretation des Mandates darauf antworten wird", und zweitens die Stelle: „Seit dem Beginn unserer Wirksamkeit hat sich auf der neuen völkerrechtlichen Grundlage des Mandates die jüdische Bevölkerung Palästinas beinahe verdoppelt." Das bedeutet einen Fortschritt. Bloß kann es uns nicht genügen, wenn man hier einem gewissen radikalen Zionismus Konzessionen macht. Unsere Politik muß nach dieser Richtung hin auch wirklich geführt werden. Der zwölfte Kongreß war sehr ungehalten, als ich über völkerrechtlichen Zionismus sprach. Und als ich ein Jahr darauf auf der Jahreskonferenz in Karlsbad gegen die Annahme des Churchill-Statements durch die Leitung protestierte, da fielen meine Worte in einen eisig kalten Saal: keine Handbewegung, kein Hauch der Zustimmung. Heute gibt es rundherum viele, sehr viele Zionisten, die noch radikalere Forderungen stellen. Dr. Halpern sprach hier vom Lächeln, dem man bei uns begegnet, wenn man von Industrie oder Privatinitiative spricht. Ich habe oft das Lächeln auf den Lippen der Delegierten gelesen, wenn man vom politischen Zionismus sprach. Dr. Ruppin hat sich darüber beklagt, daß die Delegierten und Zionisten lebhaftes Interesse den politischen Fragen zuwenden, das aber verschwinde, sobald von wirtschaftlichen Fragen die Rede ist. Herr Dr. Ruppin wird mir zugeben, daß diejenigen, die immer für die Großzügigkeit in der Politik eingetreten sind, kein minderes Interesse für unsere wirtschaftlichen Fragen gezeigt haben. Ich konstatiere mit Befriedigung, daß Dr. Halpern in seinem Vortrag mit Nachdruck unsere Rechte betont hat. Der vierzehnte Kongreß neigt endlich wieder zu der Richtung, die wir Politischen niemals verlassen wollten. Zu bedauern ist es nur, daß dieser Umschwung bei uns erst auf Grund gewisser Mißerfolge eingetreten ist. Ich bin nicht als ein Verteidiger der Weizmannschen Politik bekannt, aber wenn es heute unter uns Herren gibt, die hierher kommen und nicht bloß rechtliche Forderungen stellen, sondern Herrn Dr. Weizmann wegen seiner Politik angreifen, dann muß ich sagen, daß diese Herren gar nicht berechtigt sind, das zu tun. (Beifall.) Denn alle diese Herren sind für diese Politik mitverantwortlich, sie haben jahraus, jahrein jeden einzelnen Schritt gutgeheißen und, was die Hauptsache ist, sie haben die Prinzipien dieser Politik gebilligt. Als es noch Zeit war, diese Politik anders zu beeinflussen, haben die Herren das nicht getan. Jetzt gegen Dr. Weizmann Sturm zu laufen, dazu haben sie kein Recht. Ich bin heute nicht der Radikalste im Saal, wir haben heute unter uns Herrn Jabotinsky. Herr Jabotinsky hat sich große Verdienste um den Zionismus erworben. Mit seiner Legionsidee und ihrer Durchführung hat er sich um den Zionismus 231