Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 237)
- Language
- German, English, Hebrew
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6. Sitzung: Generaldebatte Palästina zu durchbrechen? Wenn der Misrachi den Mut aufgebracht hat, die Assefath Haniwcharim zu sprengen (Beifall) und der Welt das Bild zu geben, daß man nicht imstande ist, eine jüdische Einheitsfront zu erhalten, unter Vorwänden, die sicherlich nicht stichhältig sind? Meine Herren, ich will mich nicht in pilpulistische Auseinandersetzungen darüber einlassen, ob das Frauenwahlrecht religiös gestattet ist oder nicht, ob man mit Frauen in einer Körperschaft sitzen darf oder nicht, ich will mich gar nicht darauf einlassen. Sie wissen ganz genau, daß es gestattet ist, daß nichts dagegen einzuwenden ist. Aber ich will Sie bloß darauf aufmerksam machen: ich habe von den polnischen Misrachisten gelernt, daß es wohl gestattet ist; es sitzen doch acht Misrachisten im polnischen Sejm mit mehr Damen zusammen. (Beifall; Zwischenruf: Und im lettischen!) Also darf man es, und was in Warschau gestattet ist, muß in Jerusalem auch gestattet sein (Beifall), und dort gibt es . . . (Unruhe.) Vorsitzender Vizepräsident Meyer Berlin: Bitte -dem Redner nicht zu stören! Mitglied des A. C. Dr. Thon (fortfahrend): Und dort gibt es ganz andere Dinge, die wir von der Mandatarmacht fordern. Ich sage, wir stellen uns hinter unsere Gesamtorganisation, stellen uns hinter unsere Führer. Und so wie sie fordern wir von der Mandatarmacht die volle, die allerloyalste, die allerausgeprägteste Erfüllung des Mandates. Es ist uns vieles, vieles im White Paper verkürzt worden, aber was übrig ist, das muß uns ganz gegeben werden. (Beifall.) Und nun, meine Herren, zu inneren Fragen: Es sind hier Hymnen darüber gesungen worden, daß wir es, Gott sei dank, schon so weit gebracht haben, daß der Zionismus realistisch geworden ist. Das ist richtig. Ich aber habe, bei meiner persönlichen Einstellung, bei meiner persönlichen Stimmung im Zionismus nicht sehr viel für Realismus übrig. Aber immerhin, eines möchte ich doch schließlich sagen: gehen wir nicht zu rasch, machen wir nicht diesen Sprung vom Realismus zu einem Banausentum im Zionismus! Denken wir gar nicht an die Abnormität, die es bedeutet, daß der zionistische Kongreß eine Art Parlament wird, eine Interessenvertretung? Hie Kapital, hie Arbeit, und die beiden stoßen aneinander und schaden der Gesamtheit. Meine Herren, wir sind ja gar nicht so reich, machen wir nicht mit leeren Taschen kapitalistische Politik, wir haben es ja auch gar nicht dazu. Meine Herren, die v i e r t e A1 i j a h: Ich möchte den sehen, der diese vierte Alijah opfern möchte! Ich muß sagen, wäre es selbst richtig, daß die vierte Alijah ausschließlich, ganz ausschließlich aus wirtschaftlicher Not und wirtschaftlichem Zusammenbruch hervorgegangen ist, so hätten wir ihr noch immer mit aller Achtung und mit aller Sympathie entgegenkommen 226