Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 222)
- Language
- German, English, Hebrew
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Niemirower -die politische Situation in der ganzen Welt heute eine ganz andere ist, als in dem Momente der Umwälzugn, als in jenem Momente, in welchem in der ganzen Welt eine Umwertung der Werte vorgenommen wurde. Aher wir können doch nicht begreifen, daß man früher das höchste verlangt und den höchsten Wrünschen Ausdruck verliehen hat und jetzt wieder mit Stillschweigen, vielleicht einem politisch gegebenen, aber schmerzlichen Stillschweigen vollständig diese Deutungen, diese falschen Deutungen vorübergehen läßt. Nun komme ich zu den inneren Fragen, den Fragen der Organisation. Es ist ja kein Geheimnis, daß die Exekutive organisatorisch wenig geleistet hat, daß in den einzelnen Ländern keine einheitliche Führung zu bemerken war, es konnte auch organisatorisch gar nicht viel geschehen. Neben den vielen Gründen, die wir gehört haben, die wir kennen, die sich auch vielleicht zum Teil mit dem decken, was Grünbaum gestern gesagt hat, dadurch, daß diese Misere der Jewish Agency auf uns lastet, dadurch, daß wir gezwungen sind, immer wieder von dem Mangel unserer Kräfte zu sprechen und immer wieder Hilfe von außen zu suchen, konnten wir uns auch gar nicht so organisieren, wie es im Interesse Palästinas ist. In Wirklichkeit ist es die Aufgabe dieses Kongresses zu erkennen: gerade weil wir gezwungen sind, auf die Erweiterung der Jewish Agency einzugehen, gerade weil wir nach außen hin uns verbinden müssen mit Halbzionisten, mit Nichtzionisten, vielleicht gar mit der Zeit auch mit Antizionisten, gerade weil wir dazu gezwungen sind, müssen wir den Zionismus umsomehr organisatorisch ausbauen, müssen wir ihn umsomehr stärken, damit wir wirklich ein Gleichgewicht haben können. Wir stimmen ja, wenigstens die Mehrheit der Landsmannschaften wird ja für die Vorschläge stimmen, so wie es unser Führer Weizmann von uns verlangt, aber wir können doch nicht umhin zu sagen, daß wir trotzdem schwere Bedenken haben. Auch diejenigen unter uns, die sonst, in bezug auf die innere Politik in den Ländern im Galuth, mit Nichtzionisten, sogar mit Antizionsten zusammenarbeiten wollen und zusammengehen, wollen doch, was Erez Israel anbelangt, den zionistisch nationalen Charakter unseres Werkes unter allen Umständen wahren, und wir fürchten tatsächlich diese Vereinigung. Wir können es nicht verhehlen, es wäre eine Unwahrheit, wenn wir aus Verehrung, aus Anerkennung für den großen Führer Weizmann diese unsere Bedenken verleugnen würden, wenn wir ihnen nicht Ausdruck verleihen würden. Da aber betont wird, daß das nur eine provisorische Abmachung ist, da besonders Weizmann hervorgehoben hat, daß die Säulen, die das jüdische Palästina, die Erez Israel zu tragen haben, unerschüttert bleiben, daß das gerade die Punkte, die Thesen sind, die Punkte, die Garantien, die Abmachungen, die die andern respektieren müssen, daß dies die nationale Sprache und Kultur, nationales Land, nationale Arbeit sind, da 14* 211