Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 217)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte gefallen ist. die Uebernahme der englischen Regierung durch die Labour Party, gar nicht erwähnt ist. Ich bedaure das sehr, denn ich bin dessen sicher, daß Dr. Weizmann nicht weniger als wir die bedeutende Rolle, die die Arbeiterklasse in England bei der Anerkennung der historischen Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina gespielt hat, kennt, und sicherlich ist ihm auch die andauernde und treue Hilfe, die uns diese Partei gewährte und noch jetzt gewährt, bekannt. Es ist unmöglich, daß ein zionistischer Kongreß dieses weltbedeutende und wichtige Ereignis nicht hervorhebt und nicht richtig einschätzt. Ich glaube, daß ich gar keine Prophezeiungen vortrage, wenn ich hier der Meinung Ausdruck gebe, die auch die verstocktesten Reaktionäre in England teilen, daß in nicht ferner Zukunft die Regierung in England von der Arbeiterklasse übernommen werden wird, und zwar nicht in der Form, wie es vor einem Jahre geschah, nicht als eine Minorität, sondern als die Mehrheit, gewählt durch die englische Arbeiterklasse; kraft der großen Mehrheit dieser Klasse im englischen Volke wird dieselbe die Regierung ergreifen und sie nicht mehr aus ihrer Hand lassen. Wenn wir nicht mit Blindheit geschlagen sind, wenn wir nicht vom Haß gegen die Arbeiterklasse durchdrungen sind, wenn w7ir tatsächlich um die Zukunft des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes besorgt sind, dann müssen wir uns vor allem eines vor Augen halten: Wir müssen Erez Israel so aufbauen, daß es nicht in Gegensatz gerät zur gesamten Weltentwicklung, daß sich dieses Aufbauwerk nicht zu all diesen Kräften im Gegensatz befindet, in deren Hand das Schicksal der Welt im allgemeinen und das Schicksal Palästinas im besonderen liegt. Dieser Faktor, von dem ich jetzt spreche, ist die zur Herrschaft gelangte Arbeiterklasse. Es gibt vielleicht Leute, bei denen der Haß gegen die Arbeiterklasse größer ist als die Liebe zum jüdischen Volke. Aber ich nehme an, daß jeder Jude, wer immer er auch sein mag, vor allem die Interessen des jüdischen Volkes zu wahren bestrebt sein wird. Wenn wir in Palästina kein Zentrum der Preistreiberei und Spekulation schaffen, wenn wir uns dort nicht auf Kosten fremdnationaler Arbeit ansiedeln wollen, nicht auf Kosten der Ausbeutung des arabischen Volkes, sondern wenn wir unter Zusammenfassung all unserer Kräfte bestrebt sein werden, in Palästina ein großes arbeitendes jüdisches Volk zu schaffen, ein Volk, welches von seiner Arbeit lebt und nicht Andersnationale ausbeutet, dann darf uns dieser große Weltfaktor, der in der ganzen Welt und auch in England im Wachsen begriffen ist, dann braucht uns die steigende Macht des arabischen Arbeiters gar keine Furcht einzuflößen. Nun zweitens: Wir gehen einer bedeutsamen Periode entgegen. Die großen Völker des Orients, der Wiege der menschlichen Kultur, des Orients, der Jahrhunderte hindurch versklavt und geknechtet war, beginnen sich selbst zu befreien, beginnen neue Lebensformen zu schaffen. Und wir, das jüdische Volk, ein orientalisches Volk, das 206