Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 215)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte Delegierter Ben Gurion (fortfahrend); Nun gehe ich zur politischen Lage über. Ich bedauere sehr, daß diese Debatte zugleich alle Probleme, die uns beschäftigen,, sowohl die ökonomischen wie auch die politischen, umfaßt. Es wird mir in einer solch kurzen Zeit unmöglich sein, alles, ja nicht einmal eine dieser Fragen eingehend zu behandeln, und deshalb muß ich mich mit einigen kurzen Bemerkungen zufrieden geben. Wir stehen jetzt nach dem Ereignis des Abschiedes des ersten High Commissioner, Sir Herbert Samuel. Gerade jetzt können wir behaupten, daß alle Teile des Jischuw, ohne Ausnahme, diese wunderbare Persönlichkeit zu schätzen wußten wie auch seinen unerschütterlichen Willen, gegenüber der großen Majorität der Landesbevölkerung, gegenüber der arabischen Bevölkerung, gerecht vorzugehen, und die große Anstrengung, die er zum Zwecke der Besserung der Lage der arabischen Bevölkerung in Palästina gemacht hat. Wir wissen auch sein Verständnis für die jüdische Aufbautätigkeit, wie es in seinem letzten Bericht zum Ausdruck gekommen ist, einzuschätzen, und das wird, meiner Ansicht nach, sein Andenken in Palästina verewigen. Aber all das, all die guten Eigenschaften des Mannes, der der erste High Commissoner in Palästina war, können uns nicht dazu bringen, die einfachen Tatsachen, die auch Samuel in seiner Aufrichtigkeit gar nicht verbergen wollte, hier, von der Tribüne des Kongresses aus, nicht zu betrachten, die Tatsache, daß er seinen eigenen Bericht mit folgender Feststellung abzuschließen genötigt war: „Die Juden haben Großes für den Aufbau des Landes geleistet, die englische Regierung aber hat nichts getan, um ihr Versprechen, am Aufbau des Landes behilflich zu sein, einzuhalten.** (Beifall.) Das ergibt sich nicht nur aus dem Bericht selbst, das ist das Fazit der Tätigkeit des High Commissioners, in dem bei seinem Amtsantritt viele von uns einen Messias zu sehen glaubten. In der Zeit seiner Amtsperiode haben sich sowohl die englische Regierung als auch in ihrem Auftrage der jüdische High Commissioner der Erfüllung aller Versprechungen und Verpflichtungen entzogen, die sie vor der jüdischen Geschichte und vor der internationalen Welt auf sich genommen haben. Man hat die Verpflichtungen in Bezug auf die Freiheit der jüdischen Einwanderung, in Bezug auf Zuteilung von Boden an jüdische Ansiedler im Lande wie auch die Verpflichtungen zur Schaffung von solchen politischen, administrativen und wirtschaftlichen Bedingungen im Lande, die den Aufbau des jüdischen nationalen Heimes in Palästina erleichtern sollten, nicht erfüllt. Die Entschuldigung, die Herbert Samuel für die Nichterfüllung der Versprechungen seitens der Regierung Großbritanniens anführt, hat in gewisser Hinsicht einen schönen Klang. Er sagt nämlich, daß die jüdische nationale Heimstätte von den Juden selbst aufgebaut werden soll. Aber wir haben das volle Recht, die moralische Berechtigung, Herbert Samuel zu erwidern: Wir brauchen deinen Rat nichtr 204