Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 204)
- Language
- German, English, Hebrew
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Reich würdigen und verstehen diese Diktatur des Proletariats, von der mancher das Heil erwartet. Wir teilen diese Anschauung nicht, aber wir verstehen sie. Wir verstehen sie, weil wir den Arbeiter immer bewundern, weil wir beurteilen können, was für Leiden und Gefahren er auf sich nimmt, weil wir wissen, daß er nicht für sich und nicht um seinetwillen all das trägt, sondern weil er weiß, daß er durch sein Leiden und sein Opfer die Bahn bricht für spätere Generationen, die nach ihm kommen werden, weil er weiß, daß er auf so vieles verzichten muß, damit die andern, die nach ihm kommen, bessere Bedingungen haben, weil er den einzigen Wunsch hat, daß er auch sein Leben nach seinen Idealen gestalten und einst in Freiheit sterben kann. Aber wir müssen trotz dieser Würdigung als Gesamtorganisation darauf Bedacht nehmen, daß auch das Leben anderer in Freiheit vor sich gehe. Und von diesem Standpunkte aus haben wir kein Recht, irgendwelche Hemmnisse aufzurichten. Wir mögen die Bodenspekulation verdammen und wir sollen sie bekämpfen, wir sollen gegen jede Preistreiberei alle möglichen Mittel anwenden, wir sollen uns nicht scheuen, jedes gesetzliche Mittel anzuwenden, wir sollen die sozialen Tendenzen des Aufbaus sichern. Aber wir können nicht deshalb das Kind mit dem Bade ausgießen. Und wir können nicht deshalb auch diejenigen verfolgen, die vielleicht berufen sind, produktive Berufe dort zu schaffen und produktive Werte zu erzeugen. Deshalb ist es für uns ganz klar, daß alle Schichten die Möglichkeit haben müssen, sich in Palästina so auszuleben, wie es ihrem jüdischen Leben entspricht. Und man mag hier noch so ironisch über eine kleinbürgerliche Gesinnung sprechen, so behaupte ich, daß diese kleinbürgerliche Gesinnung ein Teil ist einer guten jüdischen Gesinnung. (Beifall.) Auch dieser Kleinbürger ist ein Glied in der Kette des jüdischen Volkes (Zwischenruf links: Der Kleinbürger ja, aber nicht die Gesinnung!) und es gebührt ihm das Recht, daß er in der allgemeinen Kette unserer Arbeit seinen Platz finde. (Beifall.) Man weiß in der Entwicklung eines Volkes und eines Landes niemals von vornherein, was von großer Wichtigkeit ist und was zu verurteilen ist, natürlich abgesehen von diesen allgemeinen Ansichten und Tendenzen, die uns allen gemein sind. Ich erinnere mich, einmal irgendwo gelesen zu haben, daß der erste Landbauer, der zum erstenmal eine Furche in den Boden ritzte, als der Vater aller Künste bezeichnet wird. Von dieser ersten Linie, die mit dem Spaten in die Erde geschlagen wurde, von den primitiven Figuren, die geschnitzt wurden, um an den Toreingängen zu den dürftigen Wohnhütten aufgestellt zu werden, führt ein Weg der Entwicklung zu den großen Statuen von Phidias und Michelangelo. Und von den ganz primitiven, unentwickelten Hirtenflötentönen führt eine Linie über die Volksmusik bis zu den großen Sonaten von Beethoven. Und von der Primitivität des Lebens des jüdischen Landarbeiters und dea. 13 193