Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 193)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte geht eine große Masseneinwanderung aus Polen nach Palästina. Gewiß, und man glaubt, das sei der Beweis, daß unsere Tätigkeit gut ist, daß unsere Taktik gut war und daß wir diese Einwanderungsbewegung dieser unserer Tätigkeit zu verdanken hätten. Aber ich möchte eindringlich hervorheben: Es ist ein großer Fehler, wenn wir uns diesem Glauben hingeben, und es wäre ein ungeheurer Schaden, wenn man aus diesem Ton Schlüsse ziehen wollte. Die Massenimmigration, die jetzt angefangen hat, ist hervorgerufen worden nicht durch die Leistungen, die dank uns in Palästina vollbracht wurden, nicht dadurch, daß die Anziehungskraft Palästinas sich gesteigert hat; das ist falsch; sondern die Immigration ist der Ausdruck von Aenderungen, die in ganz Osteuropa entstanden sind, von Aenderungen, die dort in der Struktur, in der ökonomischen Struktur der neuen und alten Staaten in Osteuropa vor sich gingen, und diese Aenderungen haben dazu geführt, daß eine ganze Masse Juden überflüssig wurden, überflüssig im ökonomischen und sozialen Sinne. Diese Leute aber haben keinen andern Ausweg. Sie haben nicht wohin zu gehen. Wohin? Rußland ist abgesperrt, Amerika hat sich abgesperrt, auch die andern Emigrationsländer sind verschlossen. Und wohin soll man da gehen? Da muß man ja nach Palästina. Gewiß* diesen Strom soll man als Grundlage benützen, aber aus diesem Strom darf man kein politisches Kapital schlagen, wie es die Exekutive tut. Dieser Strom geht jetzt nach Palästina, und wir stehen vor der Frage, ihn in unsere Gewalt zu bekommen. Wir müssen diese Alijah beherrschen, aber wir sollen sie nicht beherrschen, um bei diesen Emigranten Gefallen zu finden. Wenn wir diese Alijah nicht beherrschen werden, dann werden wir vielleicht Städte in Palästina haben, Städte mit einer großen jüdischen Bevölkerung, aber wir werden kein jüdisches Land haben, keine jüdische Arbeit. Ihr werdet keine hebräische Sprache und kein hebräisches Schulwerk haben, kein Erez Israel! (Beifall.) Wir stehen auf dem Standpunkt, daß man diesen Strom beherrschen, regulieren müsse, damit er nützt und damit er nicht zerstört. Er hat schon jetzt Leben, Belebung hereingebracht, aber er hat auch zerstörende Erscheinungen mit sich gebracht. Unsere Aufgabe ist es, diese zerstörenden Momente zu beseitigen, unsere Aufgabe ist es, zu regulieren und diese neue Welle unseren Tendenzen in Palästina, dem Aufbau des nationalen Heimes in Palästina anzupassen. Und diese Aufgabe können wir nur dann erfüllen, wenn wir von diesem Einwanderungsstrom eine entsprechende Zahl in die Landwirtschaft bringen und wenn wir all diesen Leuten zu Hilfe kommen, all diese Leute unterstützen werden, die wirklich brechen wollen — Herr Dr. Gottlieb! — mit Nalewki und Dzika, brechen mit dem Krämerleben, mit dem Galuthleben (Beifall), die hingehen wollen, um ein neues Leben zu beginnen und das Fundament unseres neuen jüdischen Gemeinschaftslebens, das sich in Palästina aufbaut, zu legen. Und, meine Damen und Herren, ich 182