Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 191)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte Organisation arbeiten, wenn man sie glauben macht, daß von Amerika die Hilfe kommen wird und auch die nötigen Mittel von dort beigestellt werden? Meine Damen und Herren! Sich mit den Geldleuten verbinden kann die Organisation nur dann, wenn sie erfüllt ist vom Bewußtsein der „Ugoda", der Verständigung mit Feinden, der Versöhnung mit denjenigen, die uns fortwährend bekämpfen. Wie kann sich der Zionismus aussöhnen mit den Leuten, denen das Golus alles ist und Palästina nur eine Episode bedeutet? Und dieser ,,Ugoda"-Geist hat dazu geführt, daß man angefangen hat, jedem Hindernis auszuweichen, daß man angefangen hat, sich vor der Außenwelt zu beugen. Ich gehe nun über zum zweiten Punkt meiner — ich möchte fast sagen — Beschuldigungen, zur politischen Tätigkeit der Exekutive, und ich frage: War das überhaupt eine politische Tätigkeit? Kann man das eine politische Tätigkeit nennen? Kann man darin irgendein System erblicken? Kann man darin irgendeine Anpassung an gewisse Tendenzen sehen, hat man in der Führung der Politik an diese Tendenzen gedacht? Nein, niemand wird zu behaupten wagen* daß man daran gedacht hätte, daß man eine Anpassung anstrebte,, daß man sich an ein System hielt. (Zwischenruf.) Nein, meine Damen und Herren, es handelt sich nicht darum, ob man Dr. Weizmann in der Frage der Ernennung eines neuen High Commissioners befragt hat; es handelt sich darum, daß zwei, ja noch einen Tag vorher Dr. Weizmann gemeint hatte, er wisse, wer der High Commissioner sein werde; man hat von Kandidaten gesprochen, von anderen Namen. Ist das eine Kleinigkeit? Warum wußte man nicht, was zu tun sei? Da haben Sie nur ein Beispiel und nichts weiter. Aber solche Beispiele könnten wir in Menge anführen. Drei Jahre hat man über die Frage der Immigration, über ein neues Einwanderungsgesetz verhandelt. Die Gesetze werden beschlossen, und wir wollen hoffen,, daß sie für uns günstiger sein werden. Aber was das Alijahgesetz. betrifft, behaupten viele, die sich mit dieser Frage praktisch beschäftigen, daß dieses Gesetz in vielen Hinsichten für uns schlechtere Bedingungen schafft als das vorhergegangene. Wir beschuldigen nicht die Exekutive, daß sie das nicht durchgesetzt hat, was sie hätte durchsetzen müssen. Möglich, daß die Konjunktur es ihr nicht erlaubt hat; es kann auch sein, daß die Zeit ungünstig war; aber daß sie nicht wußte, was sie zu tun hat, daß sie nicht die entsprechende Richtung eingeschlagen hat, daß sie nicht die Tendenz, die Linie, die die englische Politik in der Frage des jüdischen Nationalheims befolgt, gesehen hat, das stellt ihr ein schlechtes Zeugnis aus. Wollte ich in einem Wort die Politik, die Außenpolitik der Exekutive formulieren, so müßte ich sagen: sie ist eine impressonistische, eine sprunghafte Politik, ohne irgendein System. Man springt von einer Frage zur andern über. Ich stelle mir die Sache so vor: Professor 180