Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 14 (1926) Wien, 18. bis 31. August 1925
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
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5. Sitzung: Generaldebatte Meine Damen und Herren! Bevor ich dem vorgemerkten Redner das Wort gebe und meinen Sitz als Vorsitzender einnehme, möchte ich ein Wort über ein außerordentlich wichtiges Problem sagen, das möglicherweise zur Behandlung vor den Kongreß kommt. Ich glaube, daß es meine Pflicht ist, schon als amerikanischer Jude, von diesem Problem zu sprechen. Ich spreche allerdings für mich persönlich und nicht als Vertreter der amerikanischen Zionisten. Vor ein paar Monaten wurde in Amerika der Beschluß gefaßt, die Tätigkeit des Joint Distribution Committee wieder aufzunehmen. Soweit ich weiß, gab es vor dieser Beschlußfassung wenig oder gar keine Beratung mit den jüdischen Gemeinden und den jüdischen Führern Europas. Jedenfalls war diese Beratung nicht ausreichend. Gewiß, wenn wir uns erinnern, gab es in den Tagen des Krieges, in 1915 und 16 und 17, keine Möglichkeit, Kongresse und Tagungen und Versammlungen in Rußland, in Polen, in Deutschland, in Frankreich, in England einzuberufen; es waren Kriegszeiten, und das forderte Kriegsmaßnahmen. Und wir mußten nach den Rechten handeln, die wir hatten. Ohne Beratung, jahrelang; und auch damals schon hätte ein höheres Maß von Einvernehmen mit den jüdischen Führern der europäischen Länder bestehen sollen. Heute aber ist kein Krieg; heute ist es möglich, die jüdischen Führer der Gemeinden aller europäischen Länder einzuberufen und ihnen zu sagen: wir wollen einen großen Plan umfassender Kolonisation in der Krim, in der Ukraine aufnehmen. Ist das geschehen? Wurden die jüdischen Gemeinden Europas befragt? Es war schlimm genug in den Kriegszeiten, als Mitteleuropa unerreichbar war und wir Beschlüsse über Pläne faßten, ohne sie zu befragen. Aber so wie ich hoffe, daß die Jewish Agency eine weltumspannende Beratung der Juden über den Aufbau Palästinas ermöglichen wird, gerade so müssen wir amerikanischen Juden, wenn wir den Willen haben, so gut wie wir die Mittel haben, einen Weg finden, um die Juden Mitteleuropas, Osteuropas und Westeuropas zu einer Beratung zusammenzurufen, bevor wir ein Programm beschließen, das die Verwendung von Millionen von Dollars für eine neue, vergleichsweise unerprobte Unternehmung bedeuten wird, nämlich für die Kolonisierung der Krim. (Beifall.) Ich persönlich erkläre: Ich bin gegen jede Krimkolonisation als Ersatz für die Kolonisation in Palästina. (Beifall.) Ich bin dagegen, ich bin gegen die Kolonisation der Krim selbst neben der Kolonisation Palästinas. Ich bin bereit, als amerikanischer Jude, als Jude bin ich bereit, die Krimkolonisation abzuwägen, nicht gegen die Palästinakolonisation, aber gegen Kolonisation in Mexiko oder Brasilien oder Argentinien; aber es kann keine Konkurrenz geben zwischen der Kolonisation in Palästina und der in der Krim. (Beifall.) Man sagt mir, man hat mir gesagt, daß die Absicht nicht besteht, die Krim neben Palästina zu stellen, aber die Tatsache ist eben, daß man die Krim tatsächlich vor Palästina stellt